Sarkozy prüft Optionen für Areva
Siemens-Auskauf käme Franzosen teuer

Frankreich bereitet offenbar den Aufbau eines neuen Giganten im Atomsektor vor. Ein Sprecher von Staatspräsident Nicolas Sarkozy bestätigte am Dienstag den Beginn von „strategischen Überlegungen“. Auch über den Siemens-Anteil wird wieder heftig spekuliert. Analysten schätzen Wert den Wert der Anteile jedoch auf bis zu 1,4 Milliarden Euro.

PARIS. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy prüft eine Neuordnung der Atomindustrie. Nach einem Zeitungsbericht erwägt er dabei unter anderem, den Atomtechnikkonzern Areva und den Anlagenbauer Alstom zum Weltchampion im Atomanlagenbau verschmelzen. Ein Sprecher von Sarkozy bestätigte am Dienstag jedoch lediglich den Beginn von „strategischen Überlegungen“. Die Finanzzeitung „Les Echos“ berichtete von Fusionsplänen. Offen sei dabei die Frage, ob der deutsche Technik-Konzern Siemens, der derzeit mit 34 Prozent an Areva NP beteiligt ist, in den neuen Konzern eingebunden werden solle. Das Sagen im neuen Unternehmen sollen der Staat und der Baukonzern Bouygues haben.

Bouygues-Chef Martin Bouygues war Trauzeuge Sarkozys und seiner Frau Cécilia und Taufpate ihres gemeinsamen Sohnes. Bei der Neuordnung der französischen Atomtechnik geht es auch um die Sperrminorität von 34 Prozent, die Siemens an der Areva-Tochter Areva NP hält. Areva NP baut den Europäischen Druckwasserreaktor EPR.

Laut „Les Echos“ prüfendie Beraterfirma McKinsey und die Bank HSBC im Auftrage der Agentur für Staatsbeteiligungen APE die Alternativen für Areva. Dabei werde die Fusion mit Alstom klar favorisiert. Der neue Gesamtkonzern solle je nach Metier in Sparten aufgebaut werden.

Alstom baut neben Elektroanlagen auch den Superschnellzug TGV. Der Konzern war vom damaligen Wirtschaftsminister Sarkozy 2004 mit Milliardenspritzen und einer Staatsbeteiligung vor dem Zusammenbruch gerettet worden. Damals hatte Sarkozy verhindert, dass Teile der Energieanlagensparte an Siemens verkauft wurden.

Das französische Kommissariat für Atomenergie CEA hat bereits den Fall einer Fusion Areva-Alstom als eine von mehreren Möglichkeiten durchgespielt. Danach würde das CEA am Gesamtkonzern gut 30 Prozent halten. Weitere fünf Prozent hielte der Staat direkt. Bouygues bekäme 26 Prozent. Offen bleibt dabei die Zukunft der Siemens-Beteiligung an Areva NP, für die die Deutschen den Franzosen eine Kaufoption für frühestens 2012 eingeräumt haben.

Als Möglichkeit wird diskutiert, die Beteiligung an Areva NP in eine Beteiligung am Gesamtkonzern zu tauschen. Siemens verlöre dann die Sperrminorität beim AKW-Bauer. Die Bundesregierung hat zwar den Atomausstieg beschlossen, will aber Siemens im Atomgeschäft halten. „Wir würden es gerne sehen, wenn die Kooperation von Siemens und französischen Unternehmen, also Areva, auch fortgeführt werden könnte“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag nach einem Treffen mit Sarkozy betont. Der französische Präsident legt sich bisher nicht öffentlich fest.

Siemens und Areva hatten Juli 2000 ihre Kernkraftwerksbau-Kompetenzen zusammengelegt. Seitdem gehören den Deutschen 34 Prozent an der Kraftwerkstochter Areva NP. Areva hält jedoch eine Kaufoption für den Siemensanteil. Diese Option wird im Januar 2012 fällig. Drei Jahre zuvor müssten die Franzosen Siemens in Kenntnis setzen, falls sie die Option zeihen wollen, also im Januar 2009.

Laut Geschäftsbericht von Areva hat die Siemens-Option derzeit einen Wert von 1,117 Mrd. Euro. „Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Summe den Wert des Siemens-Anteils widerspiegelt“, heißt es in Konzernkreisen. „Der Kaufpreis wäre Gegenstand von Verhandlungen.“ Die Analysten des Brokers Kepler sehen den Wert von Areva NP eher zwischen drei und vier Mrd. Euro. Damit wäre der Siemens-Anteil rund 1,36 Mrd. Euro wert.

Für Frankreich ist die Siemens-Beteiligung an Areva NP eher eine Fußnote. Denn bei den Überlegungen um die Neufassung von Areva geht es auch um die Frage, ob der staatliche Stromriese EDF oder der Ölkonzern Total ins Kapital von Areva einsteigen sollen.

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