Satellitenbauer OHB
Familienbetrieb aus Bremen greift nach den Sternen

Morgen schießen die europäischen Staaten zwei Satelliten für ein eigenes Navigationssystem ins All. Aus den umkämpften Ausschreibungen ist ein neuer Champion hervorgegangen: Der Bremer Familienbetrieb OHB.
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DüsseldorfEin kühler Vormittag im Januar vergangenen Jahres: Im niederländischen Noordwijk knallen die Sektkorken. Im Technologiezentrum der europäischen Weltraumorganisation ESA an der Atlantikküste klicken die Kameras, Hände werden geschüttelt – und Europas Weltraumfunktionäre kritzeln ihre Unterschrift auf ein wegweisendes Dokument.

Fast zwei Jahre ist es nun her, dass ESA-Funktionär René Oosterlinck bei Berry Smutny, dem damaligen Vorstandschef des Satellitenherstellers OHB, mehr als ein dutzend Satelliten für das Navigationssystem Galileo bestellte. Mit dem ebenso ehrgeizigen wie umstrittenen Galileo-System wollen die Europäer die Vormacht des US-amerikanischen Global Positioning System (GPS) brechen. Morgen schießen Europas Staaten die ersten Geräte ins All – mit einer russischen Rakete des Typs Sojus.

Der Auftrag für die Satelliten hat einen Wert von rund 570 Millionen Euro. Ein Riesending für OHB - im Jahr 2009 machte das Bremer Familienunternehmen gerade einmal 287 Millionen Euro Umsatz.

Beim Konkurrenten Astrium wurde das Datum hingegen zum schwarzen Tag der Firmengeschichte. Die Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtriesen EADS musste eine ihrer schwersten Niederlagen verkraften: Sie hatte sich beste Chancen auf den Auftrag ausgerechnet – und musste nun zusehen, wie der weitaus kleinere Spezialist aus Norddeutschland ihr die Order vor der Nase wegschnappte.

Nur noch der erste Schub an Satelliten, von denen zwei morgen in Kourou abheben, stammt von der EADS-Tochter Astrium.

Nach derzeitiger Planung baut das Unternehmen vorerst vier Satelliten, OHB hingegen soll 14 Flugkörper zusammenschrauben. In den kommenden Jahren werden sie Stück für Stück in den Orbit transportiert, die ersten beiden Satelliten aus Bremen sollen Ende 2012 abheben. In mehr als 23.000 Kilometern Höhe werden sie um die Erde kreisen und Signale aussenden, die so präzise sind, dass das amerikanische GPS dagegen alt aussieht.

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