Satellitennavigation
Endspiel um Galileo-Aufträge

Die europäische Weltraumagentur ESA will Ende des Jahres die ersten Galileo-Verträge mit der Industrie abschließen, 2010 sollen die Satelliten starten. Galileo könnte im Jahr 2013 betriebsbereit sein. Für den Satellitenbau liegen ausschließlich deutsche Bewerbungen auf dem Tisch.

MÜNCHEN. Die europäische Weltraumagentur ESA macht Tempo beim Aufbau der Satelliten-Navigation Galileo. "Wir werden Ende des Jahres die ersten Verträge mit der Industrie abschließen", sagte ein ESA-Sprecher auf Anfrage in Paris. Ende 2010 sollen die ersten vier Positionssatelliten vom Weltraumbahnhof Kourou ins All geschossen werden. "Wir sind bei der Ausschreibung im Zeitplan", sagte der Sprecher. Geht alles glatt, könnte Galileo Ende 2013 betriebsbereit sein.

Bislang hat Galileo alle gesetzten Zeitpläne gerissen. Nachdem ein Industriekonsortium 2007 mit dem Aufbau des europäischen GPS-Konkurrenten gescheitert war, beauftragte die EU die europäische Weltraumagentur ESA mit dem "wichtigsten Infrastrukturprojekt der Union". Die Agentur hat Anfang des Jahres sechs Teilsegmente ausgeschrieben. Jetzt beginnt die heiße Phase für die von der Industrie erhofften Großaufträge. Ende des Monats sollen für die 28 Positionssatelliten, die Raketen und die Bodenstationen endgültige Angebote abgegeben werden. Die Ausschreibung gilt als die heikelste Phase im Galileo-Aufbau.

Insgesamt hat die EU 3,4 Mrd. Euro für den Aufbau veranschlagt. Bislang sind bereits 1,5 Mrd. Euro in die Erprobung des Systems geflossen. Deutsche Firmen beanspruchen Schlüsselpositionen. So will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die technische Kontrolle des Systems übernehmen. Das Zentrum gilt als gesetzt, die ESA erkennt bereits geleistete Investitionen aus dem ersten Aufbauversuch an. Im vergangenen September weihte das DLR für mehr als 100 Mio. Euro das neue Kontrollzentrum ein, auch Italien wird eine prestigeträchtige Leitstelle erhalten. Spanien beharrt weiter auf einem dritten Kontrollzentrum, wird aber kein Geld von der ESA erhalten.

Für den Satellitenbau liegen ausschließlich deutsche Bewerbungen auf dem Tisch. Neben der EADS-Tochter Astrium kämpft auch das Bremer Technologieunternehmen OHB um den rund 840 Millionen Euro schweren Teilauftrag für die restlichen Satelliten. "Wir rechnen uns gute Chancen aus", sagte ein OHB-Sprecher. EADS-Astrium mochte sich zu "dem laufenden Verfahren nicht äußern". Astrium-Chef Evert Dudok hatte noch im Juni auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget heftige Kritik an der Ausschreibungspraxis der ESA geübt. Bislang ging EADS Astrium davon aus, die Satelliten alleine bauen zu können.

"Wir entscheiden nach Preis und Zuverlässigkeit", sagte ein ESA-Sprecher. In beiden Punkten sieht sich OHB auf Augenhöhe mit der wesentlich größeren EADS-Astrium: Zuletzt hat OHB den Auftrag zum Bau der "SAR-Lupe" bekommen, den neuen Bundeswehr Spionage-Satelliten. Auch im Segment der Raketenstarts ist der Branchenführer EADS unter Druck. So konkurriert die europäische Trägerrakete Ariane mit der deutlich preiswerteren russischen Sojus um die rund ein Dutzend erforderlichen Starts. Das hat Folgen für den Preis: Sollte der notwendige Umbau der Ariane Oberstufe zunächst mehr als 100 Mio Euro kosten, so ist jetzt nur noch 40 Mio. Euro die Rede.

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