Satte Zuwächse erwartet
Das schnelle Wachstum der Auto-Zulieferer hat seinen Preis

Die Anforderungen an Finanzkraft und Management steigen für die Mittelständler.

FRANKFURT/M. Die Experten sind sich einig: Die Auto-Zulieferer werden auch in Zukunft schneller wachsen als ihre Kunden. Schon in den vergangenen zehn Jahren haben die meist mittelständisch strukturierten Zulieferer immer größere Teile der Produktion und Entwicklung von den Herstellern übernommen. Mit rund 320 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 60 Mrd. Euro stehen sie bereits für etwa 70 % der Wertschöpfung in der Autobranche – dieser Anteil soll weiter steigen.

Treiber sind die steil steigende Zahl von Modellvarianten und Nischenfahrzeugen ebenso wie der Rückzug der großen Hersteller auf ihre Kernkompetenzen, wesentlich in Marketing und Vertrieb. Bis 2015 würden die Konzerne ein weiteres Zehntel ihrer Produktions- und Entwicklungsleistungen an die Zulieferer abgeben, schätzt eine Studie, die das Beratungsunternehmen Mercer gemeinsam mit zwei Fraunhofer-Instituten erstellt hat. Während die Hersteller bis 2015 ihren Ausstoß um 35 % steigern würden, könnten die Zulieferer um 70 % zulegen.

Die Prognose deckt sich weitgehend mit der Schätzung des Gelsenkirchener Auto-Professors Ferdinand Dudenhöffer, der das Wachstum der weltweiten Zuliefer-Branche von 2000 bis 2010 auf durchschnittlich 55 % bis 75 % veranschlagt. Die Zuliefer-Domänen Ausstattung und Elektronik versprächen ein weit überproportionales Wachstum von 30 % bis 40 %, Folge des Trends zu mehr Komfort und Sicherheit, erklärt Dudenhöffer.

Die satten Zuwächse gibt es aber nicht umsonst – sie sind mit neuen, ungewohnten Risiken, hohen Investitionen und dem Zwang zu radikalem Umdenken verbunden. Grundsätzlich zwinge die neue Rollenverteilung zwischen Kunden und Lieferanten die Zulieferer dazu, neue Kapazitäten und Kompetenzen aufzubauen, erläutert Konrad Fröhlich, Geschäftsführer im Beratungsunternehmen Struktur und Management. „Dabei geht es nicht nur um die eigene Entwicklungsabteilung. Auch das Projektmanagement, den Umgang mit elektronischen Beschaffungs-, Steuerungs- und Logistik-Netzen und nicht zuletzt ein ausgefeiltes Controlling gilt es zu beherrschen.“

Hinzu kommen Sprünge in den Investitionsplänen. Immer häufiger übernehmen Zulieferer von ihren großen Kunden gleich die ganze Fabrik. So hat der Kolbenhersteller Mahle von BMW das Berliner Nockenwellen-Werk mehrheitlich gekauft und Siemens VDO von Chrysler ein Elektronik-Werk im amerikanischen Huntsville.

Die Beispiele zeigen es schon: Die Globalisierung ist ebenfalls unausweichlich. Neue Märkte wie die USA, aber auch Japan, China, Indien und Korea stellen neue, ungewohnte Anforderungen. Dorthin geraten die Zulieferer zunächst meist im Kielwasser ihrer europäischen Kunden. Allmählich folgt dann eine gewisse Emanzipation – die Unternehmen entdecken Absatzchancen auch bei lokalen Kunden. So ist der Getriebebauer ZF mit Ford ins Geschäft gekommen.

Hinzu kommen die Folgen des wachsenden Preisdrucks, den die Hersteller an ihre Lieferanten weitergeben. „In Westeuropa sind die Möglichkeiten der Kostensenkung in der Produktion weitgehend ausgelutscht“, weiß Nikos D. Pallis, Zulieferspezialist der Helbling Management Consulting. „Deswegen betreffen 50 % bis 60 % unser Beratungsfälle inzwischen Standortverlagerungen.“

Der Aufbau neuer Standorte, die Installation von Entwicklungslaboren und die Vorfinanzierung der Entwicklungsleistungen strapazieren die Finanzkraft, und das bei anhaltender Kredit-Zurückhaltung vieler Banken. „Speziell die hohen Vorlaufkosten führen trotz guter Profitabilität leicht in die Liquiditätskrise“, warnt der Berater Konrad Fröhlich.

Branchenbeobachter sehen deshalb große Teile der Branche als übernahmegefährdet an. „Die deutschen Automobilzulieferer stecken in einem Finanzierungsdilemma, das zu einer weiteren Fusionswelle führen kann“, warnt eine Studie von Ernst & Young. Einige Unternehmen haben schon einen Weg aus dem Dilemma gefunden: Sie teilen die Lasten und bündeln die Kompetenzen, indem sie kooperieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%