Satter Quartalsgewinn
Ford übertrifft die Erwartungen

In Europa laufen die Geschäfte für Ford miserabel. Doch geringere Kosten und höhere Preise auf dem Heimatmarkt haben dem amerikanischen Autobauer ein besseres Ergebnis beschert als von Analysten erwartet.
  • 0

DetroitEin brummendes Geschäft auf dem Heimatmarkt USA und gesunkene Kosten haben Ford vor einem Gewinnrückgang bewahrt. So konnte der Konzern aus Dearborn unweit der US-Autostadt Detroit die Absatzkrise in Europa im dritten Quartal für seine Eigner weitgehend vergessen machen. Der Vorstand um den Sanierer Alan Mulally gab am Dienstag für den Zeitraum Juli bis September einen Vorsteuergewinn von knapp 2,2 Milliarden Dollar bekannt.

In Europa schrieb der Autobauer, der auf seinem Heimatmarkt in Nordamerika hinter der Opel-Mutter GM rangiert, einen Vorsteuerverlust von knapp einer halben Milliarde Dollar, fast drei Mal so viel wie vor einem Jahr. Ford hatte bereits im Vorfeld angekündigt, wegen der Automisere drei Werke in Belgien und Großbritannien mit insgesamt 5700 Mitarbeitern dichtzumachen, um in Europa bis 2015 wieder profitabel zu sein.

Bis dahin geht Ford von einer Durststrecke in Europa aus mit Verlusten von mehr als drei Milliarden Dollar in den beiden kommenden Jahren. Die Produktion soll durch die Werksschließungen um 350.000 Einheiten zurückgenommen werden, weil wegen der Schuldenkrise in Südeuropa kaum neue Autos verkauft werden. Für das Gesamtjahr hat der Vorstand bereits einen „soliden“ Konzern-Vorsteuergewinn und einen positiven Barmittelzufluss angekündigt.

Mit den Werksschließungen setzt Konzernchef Mulally, der vor einigen Jahren bereits den US-Flugzeugbauer Boeing saniert hatte, die anderen Autobauer unter Zugzwang. Während Rivalen wie GM noch mit den Gewerkschaften bei Opel ringen oder geplante Einschnitte wie bei Peugeot am Votum der Regierung scheitern, schafft Ford Fakten. Der US-Konzern vermeidet damit monatelange Spekulationen, die dem Image schaden könnten.

Dabei geht Ford nach dem gleichen Muster vor wie vor einigen Jahren in den USA. Damals hatten GM, Ford und Chrysler in ihrer Heimat massenweise Arbeiter entlassen und zig Werke geschlossen, um aus der Misere zu kommen, die sie sich durch eine verfehlte Modellpolitik und jahrelange Rabattschlachten selbst eingebrockt hatten. GM ist inzwischen dank staatlicher Hilfen wieder erstarkt und kämpft mit Toyota und Volkswagen um die Weltmarktspitze.

Auch Chrysler ist nach der mit staatlicher Unterstützung bewältigten Blitzinsolvenz zurück im Sattel und sorgt nun als Fiat-Tochter dafür, dass der italienische Autobauer den Geschäftseinbruch in Europa ausgleichen kann. Lediglich Ford schaffte die Wende damals in den USA ohne staatliche Milliardenhilfe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Satter Quartalsgewinn: Ford übertrifft die Erwartungen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%