Satzungsänderung
Conti-Chef verliert Spielraum

In 100 Tagen will Continental-Chef Thomas Neumann ein tragfähiges Gesamtkonzept für Conti und seinen angeschlagenen Großaktionär Schaeffler vorstellen. Doch der geplante Befreiungsschlag könnte schon bald in einen Machtverlust führen: Künftig soll der Aufsichtsrat der Schließung von Fabriken zustimmen müssen - eine Satzungsänderung mit weitrechenden Folgen.

HAMBURG. Die Macht von Continental-Chef Karl-Thomas Neumann droht trotz eines Befreiungsversuchs begrenzt zu werden. Der Manager hatte Ende vergangener Woche angekündigt, binnen 100 Tagen ein Gesamtkonzept für die Zukunft von Conti und seinen angeschlagenen Großaktionär Schaeffler vorzulegen. Kreisen des Kontrollgremiums von Conti zufolge soll sein operativer Spielraum aber bald kleiner werden.

Es gilt als ausgemacht, dass der Conti-Aufsichtsrat die Satzung des Unternehmens so anpassen wird, dass die Schließung zumindest größerer Fabriken von der Zustimmung der Kontrolleure abhängt. Bisher kann der Vorstand solche Entscheidungen allein treffen - wie aktuell im Fall der Stilllegung der Reifenwerke in Hannover-Stöcken und im französischen Clairoix.

Finanzkreise verweisen darauf, dass eine solche Änderung der Satzung ein falsches Signal für internationale Finanzinvestoren wäre, die man noch als Geldgeber brauchen dürfte. Im Dax haben nur Volkswagen und K+S ähnliche Regelungen. Neumann wehrt sich gegen die Einschränkung seiner Handlungsfähigkeit als Firmenchef.

Doch die Arbeitnehmervertreter im Conti-Aufsichtsrat haben bereits einen Antrag zur Änderung der Satzung eingebracht. Allerdings wurde darüber aus Zeitgründen auf der konstituierenden Sitzung des neuen Aufsichtsrats am Donnerstag nicht abgestimmt. Die Aufseher traten erst abends gegen halb zehn zusammen und tagten bis kurz vor Mitternacht. Zuvor hatte die Hauptversammlung die Kapitalbank des Gremiums neu gewählt. Contis Aktionärsriege wird von Großaktionär Schaeffler dominiert.

Das heikle Thema soll nun auf der nächsten Sitzung des Kontrollgremiums im Juni erneut auf den Tisch kommen. In Aufsichtsratskreisen heißt es, Chefaufseher Rolf Koerfer, Partner der Kanzlei Allen & Overy und ein Schaeffler-Vertrauter, neige schon aus rein formalen Gründen dazu, die Satzung zu ändern. Aus Koerfers Sicht seien die Regeln von Continental im Sinne sauberer Unternehmensführung (Corporate Governance) nicht mehr zeitgemäß.

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