Sauberere Dieselmotoren

Daimler stockt Investitionen auf

Die Kritik an den hohen Diesel-Abgaswerten reißt nicht ab. Daimler reagiert und will nun rund drei Milliarden Euro für ein verbessertes Verbrauchs- und Emissionsverhalten von künftigen und aktuellen Fahrzeugen ausgeben.
Update: 27.05.2016 - 13:39 Uhr
Angesichts der Kritik an den hohen Diesel-Abgaswerten stockt Daimler seine Investitionen auf. Quelle: dpa
Daimler legt nach

Angesichts der Kritik an den hohen Diesel-Abgaswerten stockt Daimler seine Investitionen auf.

(Foto: dpa)

FrankfurtDaimler hat angesichts der Kritik an hohen Diesel-Abgaswerten seine Investitionen in schadstoffärmere Motoren aufgestockt. Mercedes-Benz werde rund drei Milliarden Euro für ein verbessertes Verbrauchs- und Emissionsverhalten von künftigen und aktuellen Fahrzeugen ausgeben, erklärte der Autobauer am Freitag. Davon werden 2,6 Milliarden Euro in die neue Generation von Dieselmotoren investiert, wie bereits im Februar angekündigt.

Hinzu kommen rund 400 Millionen Euro, die zur Verbesserung der aktuellen Serienproduktion von Dieselautos und einen neuen Partikelfilter für Benzinmotoren ausgegeben werden. Für den Rückruf schon ausgelieferter Dieselautos, zu dem das Bundesverkehrsministerium Daimler und andere Autohersteller wegen hoher Stickoxid-Werte gedrängt hatte, falle ein zweistelliger Millionenbetrag an, sagte ein Sprecher.

So tricksen die Autobauer beim Diesel
Volkswagen
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Seit Monaten tobt der Dieselskandal bei Volkswagen. Der Auslöser: eine Software, die erkennt, ob ein Auto auf dem Prüfstand steht. Um die Abgasprüfer hinters Licht zu führen, erkannten die Fahrzeuge mit 1.2-, 1,6- und 2.0-Liter TDI-Motor beispielsweise ob das Lenkrad bewegt wurde. Mittlerweile müssen etliche Modelle des Konzerns, darunter auch Passat und Golf darum zurück in die Werkstatt.

Volkswagen
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Auch bei den Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamtes sind Modelle der Wolfsburger negativ aufgefallen. Fast 200.000 Fahrzeuge müssen zurück in die Werkstatt, weil eine gesetzliche Ausnahmeregelung wohl zu weit ausgelegt wurde. Bei einer zu hohen oder zu niedrigen Außentemperatur schalten die Fahrzeuge ihre Abgasreinigung ab. Die Hersteller begründen das mit dem Motorenschutz. Der Gesetzgeber sieht das offenbar anders. Betroffen sind der Amarok, aber auch der Lieferwagen Crafter.

Audi
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Und auch die VW-Premiumtochter Audi spielt im Dieselskandal eine größere Rolle als zunächst angenommen. Das illegale Abschaltung der Abgasreinigung, die den Skandal auslöste, soll sogar in Ingolstadt mitentwickelt worden sein. Auch in den jüngsten KBA-Nachprüfungen überschritten einige Audi-Modelle den gesetzlichen Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß. Unter anderem muss der Q5 zurückgerufen werden.

Porsche
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Auch bei Porsche gehörte der Betrug zum Geschäft. Wenige Wochen nach dem Ausbruch des Dieselskandals musste auch der Sportwagenbauer eingestehen, dass seine 3-Liter-Dieselmotoren eine illegale Abschalteinrichtung enthalten. Auch bei den Nachprüfungen des KBA fiel ein Porsche-Modell unangenehm auf: ausgerechnet der kompakte Macan überschreitet die Stickoxid-Grenzwerte bei niedrigen Außentemperaturen.

Mercedes
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Die Sprachregelung bei Daimler wackelt: bisher hatten die Schwaben alle Vorwürfe, man habe beim Diesel betrogen weit von sich gewiesen. Doch bei den Nachprüfungen des KBA fielen A-Klasse, B-Klasse und V-Klasse aus dem Rahmen und müssen nun bei einem Rückruf überarbeitet werden. Alle haben übrigens eins gemeinsam...

Renault
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...Denn die Daimler-Diesel kommen aus einer Kooperation mit dem französischen Autobauer Renault. Der steht ohnehin schon unter Beobachtung der französischen Behörden, die nach dem Ausbruch des Dieselskandals mehrere Razzien bei Renault vornahmen. Der jüngste Bericht des KBA soll darum auch an die französischen Behörden weitergeleitet werden. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Opel
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Auch in Rüsselsheim sind die Dieselmotoren offenbar schmutziger als der Konzern es bisher zugegeben hat. Bei Zafira, Insignia und Cascada sind die Abgase wohl deutlich schmutziger, sobald die Temperatur unter 17 Grad fällt. Den vereinbarten Rückruf nennt man in Rüsselsheim "freiwillige Serviceleistung". Wohl auch um sich vor Schadenersatzforderungen zu schützen. Künftig sollen alle Modelle des Autobauers mit einem Harnstoff-Katalysator ausgerüstet werden.

Auf Mercedes-Benz entfiel mit 247.000 Fahrzeugen der größte Anteil der insgesamt rund 630.000 Dieselautos deutscher Hersteller, die nachträglich sauberer gemacht werden. Die Untersuchungskommission des Bundesverkehrsministeriums hatte bei Tests auffällig hohe Abgaswerte ermittelt. Die Autobauer hatten eine Ausnahme von EU-Recht, die zum Motorenschutz bei niedriger Außentemperatur zeitweise einen höheren Ausstoß von Stickoxid erlaubt, nach Ansicht der Kommission zu stark genutzt.

Dieses „Thermofenster“ will Daimler nun ein Stück weit schließen, indem die Motorentechnologie des neuen Dieselmotors zum Teil für die aktuellen Fahrzeuge genutzt wird. Betroffen sind neben dem Van V-Klasse die Kompaktwagen A- und B-Klasse sowie CLA und GLA. Bei allen anderen Bestandsfahrzeugen bestehe kein Verbesserungsbedarf, erklärte ein Sprecher.

Die Deutsche Umwelthilfe wirft Daimler vor, die geltenden Stickoxid-Grenzwerte auch beim Mittelklassemodell C-Klasse um ein Vielfaches zu überschreiten. In den USA gibt es deswegen Sammelklagen, zudem ermitteln US-Behörden. Mit dem neuen Vierzylinder-Dieselmotor OM 654 kann Daimler die gesetzlichen Vorgaben künftig dagegen nach eigener Darstellung übererfüllen. Ein Test nach den Bedingungen des ab 2017 geltenden strengeren Messverfahrens RDE durch die Prüforganisation Dekra habe bei mehreren Varianten durchweg Werte unter dem Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer ergeben.

Der neue Dieselmotor kommt erstmals bei der neuen E-Klasse zum Einsatz, die seit Kurzem auf dem Markt ist. Bis 2019 werde die gesamte Palette an Diesel-Pkw in Europa mit der neuen Motorengeneration ausgerüstet. Der abgasärmere Motor werde damit schneller und umfangreicher ausgerollt als geplant, ergänzte der Sprecher.

  • rtr
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