Saudi-Arabien
Der verrückte Traum vom Wüsten-Auto

Saudi-Arabien gründet einen eigenen Autohersteller – auch um sich vom Öl unabhängig zu machen. In Kooperation mit dem südkoreanischen Digm-Konzern sollen 500 Millionen Dollar investiert werden. Autoexperte Dudenhöffer ist skeptisch, ob der Plan aufgeht.
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STUTTGART/BERLIN/KAIRO. Die König-Saud-Universität in Riad ist das Gehirn Saudi-Arabiens: Hier entwickeln Professoren und Studenten Pläne für die Zukunft des größten arabischen Landes: für eine Zukunft ohne Öl.

„Wir wollen eine wissensbasierte Volkswirtschaft aufbauen“, sagt der Präsident der Uni, Al-Othman, und „in Industrien vordringen, die noch von den entwickelten Ländern monopolisiert sind“.

Am Sonntag unterzeichnete der Scheich einen Vertrag mit Y.K. Jeon, dem Chef der südkoreanischen Digm-Automotive-Technologies-Gruppe – mit der er künftig ein eigenes saudi-arabisches Auto bauen will: den Sedan-1. Das Modell soll zum Preis von 9.000 bis 12.000 Dollar verkauft werden. Es gebe dafür „einen guten Markt“, sagt Al-Othman.

Das neue arabisch-koreanische Industrieprojekt wird über ein Kapital von umgerechnet 500 Millionen Dollar verfügen. Zehn Prozent kommen von der König-Saud-Universität (KSU), 30 Prozent von der koreanischen Firma und der Rest von Investoren aus der Region.

Mit dem Sedan-1 will sich Saudi-Arabien von etablierten Autoproduzenten emanzipieren. Denn mit deren Hilfe bauen die Saudis schon seit einiger Zeit an einem Auto. Mitte Juli enthüllte König Abdullah in der Hafenstadt Dschidda den Geländewagen Ghazal 1 („Gazelle“), einen Umbau der G-Klasse von Mercedes, von dem künftig 20.000 Stück im Jahr vom Band laufen sollen. Im Dezember folgte der Kompaktwagen Aseela, ein Umbau des Modells Persona von dem malaysischen Hersteller Proton.

Der Sedan-1 solle komplett aus saudischen Teilen bestehen, sagte der künftige Chefingenieur, KSU-Technikprofessor Said Darwish, dem Handelsblatt. Nur bei der Motorenentwicklung soll die Expertise der Südkoreaner in Anspruch genommen werden. Geplant sei ein 1,6 und ein 2,0 Liter Benzinmotor. Laut Darwish ähnelt das neue Auto einem BMW und soll trotz des niedrigen Preises hochwertig ausgestattet werden.

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  • werden tragfähige Löungen gefragt sein, die der bevölkerung auch Folgeeinnahmen sichern. Öl wird zunehmend vor Ort in höherwertigere Lösungen verwandelt. Auch andere industrien sind gefragt ... von Sonnentourismus mit Meeresnähe bis zur Produktionsansiedlung von dies und das. Es bedarf aber gewaltiger Anstrengungen in bildung und mehr. Ob das Ziel erreicht wird - ist heute noch nicht absehbar. Auch andere Länder wollen sich entwickeln und "alte" Standorte sich verteidigen. Auch muss ein "großes Rad mit hohen finanziellen Risiken" gedreht werden.

    Ob allerdings diese konventionellen Fahrzeuge eine Chance haben werden,ist fraglich. besser wäre es gleich Hybridfahrzeuge und E-Fahrzeuge zu fertigen. Auch gilt es hier eine E-Fahrzeug Zulieferindustrie aufzubauen. Das wäre erfolgversprechender.

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