Saudi Aramco und Co: Die wahren Riesen unter den staatlichen Ölkonzernen

Saudi Aramco und Co
Die wahren Riesen unter den staatlichen Ölkonzernen

In Dhahran an Saudi-Arabiens Ostküste lebt das reichste Königreich der Welt ein ganz anderes Leben. Zugleich ist die Stadt Sitz des mit Abstand größten Ölkonzerns weltweit. Doch viele kennen weder Stadt noch Unternehmen oder dessen Verfolger.
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BERLIN. Frauen am Steuer sportlicher Geländewagen, wo ansonsten nicht einmal Mädchen ohne einen Bruder allein auf die Straße dürfen. Und Pärchen Hand in Hand in einer eleganten und riesigen Shopping-Mall, wo sonst Frauen schwarz verhüllt und in gebührlichem Abstand hinter ihren Gatten herlaufen müssen: In Dhahran an Saudi-Arabiens Ostküste lebt das reichste Königreich der Welt ein ganz anderes Leben. Diese Stadt kennt aber kaum jemand - obwohl hier das wichtigste Herz der Ölwelt schlägt: Dhahran ist der Sitz von Saudi Aramco, dem mit Abstand größten Ölkonzern weltweit. Auch er ist außerhalb der Branche kaum bekannt.

Dieses Schicksal teilt der wertvollste Konzern der Welt, der allein auf Ölvorkommen von 260,1 Mrd. Barrel sitzt, mit Giganten wie NIOC und INOC, den iranischen und irakischen staatlichen Ölkonzernen, die mit ihren Ölvorkommen global auf den Plätzen zwei und drei rangieren. Die börsennotierten Multis Exxon Mobil, BP oder Royal Dutch Shell sind zwar öffentlich viel präsenter, doch im Vergleich mit den großen Konzernen der Opec-Staaten aber auch gegenüber den Staatsölfirmen von Nicht-Opec-Ländern wie Russlands Rosneft und Gazprom nur kleine Lichter: Die Staatskonzerne kontrollieren über drei Viertel der weltweiten Reserven. Sie sind die wahren Riesen im Ölsektor.

Die Staatsölkonzerne (NOCs), sagte BP-Chefökonom Christof Rühl dem Handelsblatt, "verfügen über weit mehr globale Reserven, aber produzieren in Relation zu ihren Vorkommen deutlich weniger als IOCs", also die privaten Ölmultis. "Das Verhältnis von Produktion zu Reserven ist wesentlich höher für IOCs als für NOCs." So fördert Riese Saudi Aramco zwar mit 7,9 Mio. Fass pro Tag so viel wie kein anderer, aber gemessen an den Reserven im Boden deutlich weniger als der private Exxon-Mobil-Konzern, der bei 23 Mrd. Barrel Reserven voriges Jahr 3,9 Mio. Fass aus dem Boden pumpte.

Insgesamt 14 der Top-20 Firmen - gemessen an den Erdölreserven - sind staatlich kontrollierte Konzerne. Aber nur sechs Staatsunternehmen finden sich auch unter den 20 größten Rohölproduzenten. Die Staatskonzerne haben also die Hand am Ölhahn - und sie nehmen immer mehr Ölfelder unter ihre Kontrolle. Sie "operieren zudem nicht strikt nach Marktprinzipien", sondern verfolgten Staats-Agendas; das führe dazu, dass die Ölversorgung künftig nicht so dynamisch sein werde, wie sie sein könnte, schreibt der Energieexperte Robert Pirog in einem Report für den US-Kongress. "Die Opec sitzt so fest im Sattel, weil sie über Zugangsbeschränkungen für private Ölproduzenten nicht nur die Produktion, sondern letzten Endes auch die Investitionen kontrolliert", meint auch Rühl.

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