Saudi Aramco unter Zeitdruck
Khurais-Ölfeld: Hoffnungsträger am Golf

Saudi Aramco, der weltgrößte Ölkonzern, soll der Menschheit einen großen Dienst erweisen: mehr Öl fördern, um den Preis zu stabilisieren. Schon bald sollen hier täglich 1,2 Millionen Fass Öl sprudeln. In der Wüste Arabiens protzt der Konzern mit seiner Kraft.

KHURAIS. Wasser fließt in der Wüste. Das Quecksilber des Thermometers schiebt sich immer höher, immer näher an die 50-Grad-Marke heran, und auf der Stirn von Nasimpan werden die Rinnsale zu Flüssen. Der indische Bauarbeiter wuchtet mit einem halben Dutzend Männern ein Betonfundament in den Wüstenboden. Vor einem gewaltigen Gewirr aus Rohren, Pipelines und Gerüsten ziehen die Inder, Pakistani und Bangladeschis einen gigantischen Turm aus Edelstahl hoch.

Es ist ein schweißtreibendes Rennen gegen die Uhr. 28 000 Mann, darunter 20 000 asiatische Bauarbeiter und Monteure sowie 8 000 saudische Ingenieure, Facharbeiter und Manager, stehen unter Zeitdruck. Schon in genau einem Jahr sollen hier auf dem Ölfeld 1,2 Millionen Barrel Rohöl aus dem Sand sprudeln. Um dem Schmierstoff der Welt 1 500 Meter in der Tiefe zu Leibe zu rücken, schweißen Nasimpan und seine Kollegen die riesige Pumpstation zusammen: Sie soll Millionen Tonnen des per Pipeline über 250 Kilometer vom Persischen Golf herangebrachten Seewassers hineindrücken, um damit das Öl an die Oberfläche zu pressen. „Wir verbauen hier allein so viel Stahl, wie man sie für zwei Golden-Gate-Brücken bräuchte“, erklärt ein Manager.

Khurais heißt das Ölfeld zwischen der Hauptstadt Riad und dem Golf-Ölhafen Dammam mitten in der arabischen Wüste – und es ist das derzeit wichtigste Projekt zur Einlösung des Versprechens der Saudis, die Welt immer mit ausreichend Öl zu versorgen. 1,2 Millionen Fass Öl sollen täglich sprudeln, so viel wie ganz England aus allen seinen Nordseequellen am Tag herausholt oder der gesamte Ölstaat Nigeria. Dabei kann das bereits 1957 entdeckte und 1963 erstmals angestochene Ölfeld auf so fette Reserven zurückgreifen, wie in den USA insgesamt, in Texas und vor dem Golf von Mexiko, liegen. Dementsprechend stolz ist Amin Al-Nasser auf sein jüngstes Kind. „Wir bauen hier an einem Giganten“, sagt Al-Nasser, Senior Vice-President für Förderung und Produktion des Ölkonzerns Saudi Aramco.

Doch es ist nicht nur eine Frage der Größe. Die gesamte Familie Saudi Aramco, der mit Abstand größte Ölkonzern der Welt, ist zugleich angetreten, der Welt etwas zu beweisen. Denn die wird heftig gebeutelt von einer Energiekrise. Der Ölpreis steigt und steigt. Ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI kostet mittlerweile über 137 US-Dollar. Bei einem Ölpreisgipfel in Dschidda am Wochenende hatte deshalb der saudische König Abdullah bin Abdulaziz Al-Saud erklärt, dass sein Land bis Ende kommenden Jahres seine Förderung von jetzt 9,7 auf dann 12,5 Millionen Barrel täglich erhöhen kann.

Das Khurais-Ölfeld steht damit auch stellvertretend für die Zusage des saudischen Königs. „Wenn die Welt noch mehr Öl braucht, werden wir noch mehr liefern“, hatte der „Hüter der heiligen Stätten“ in der Hafenstadt Dschidda vor Regierungsvertretern aus 36 Ländern und den Chefs der großen Energiekonzerne versprochen.

Der indische Bauarbeiter Nasimpan war natürlich nicht dabei. Er ist nur ein kleines Rädchen im Getriebe der gigantischen Maschine Saudi Aramco: Angeheuert mit anderen Landsleuten und Arbeitern aus weiteren Ländern Asiens vom saudischen Baukonzern CEE und der türkischen Projektentwicklungsfirma Tekfen, schuftet er bereits seit zwei Jahren unter der sengenden Sonne Arabiens. Weitere sechs Monate sollen nun noch folgen, bis sein Bauabschnitt übergeben werden kann, sagt Nasimpan.

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