Saures für die Süßen
Ferrero will den Weltmarkt aufmischen

Der Markt der Schokoladenhersteller ist in Aufruhr: In den Kampf um die Übernahme von Cadbury bringt sich nun auch Ferrero in Stellung. Der Nutella-Hersteller, der noch immer vom Patriarchen Michele geführt wird, könnte dabei mit zwei Traditionen brechen: Wachse nur aus eigener Kraft, und halte dich fern von den Medien.
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MAILANA/LANGHE. Der Frühnebel steigt nur langsam aus den Tälern der sanften Hügel hervor. Die Reben des berühmten Barbaresco-Weins sind abgeerntet, die orangefarbenen Blätter der Haselnusssträucher weisen auf das Ende der Saison hin. „Die Nüsse, die sind alle für Ferrero“, sagt Giancarlo Montaldo.

Montaldo ist hier aufgewachsen, er ist Besitzer der Enoteca Barbaresco, in der piemontesischen Region der Langhe, die weithin bekannt ist für guten Wein und weißen Trüffel. Doch eigentlich arbeiten hier viele nur für einen, dessen Produkte vor allem süß schmecken und aus Schokolade sind. In Langhe liegt die Wiege des weltbekannten Nutella-Herstellers Ferrero. Oder besser: der verschwiegenen Familie Ferrero.

Aus Alba, dem hübschen, mittelalterlich geprägten Städtchen zwischen Weinbergen und Haselnusswäldern, haben die Ferreros ihren süßen Feldzug in die Welt gestartet. Heute stehen die Italiener mit Marken wie Mon Chéri, Kinder-Schokolade und Hanuta auf dem vierten Platz der weltweiten Schokohersteller. Im Geschäftsjahr 2007/2008 hat das Familienunternehmen mit seinen 21 600 Mitarbeitern an 18 Standorten insge-samt 6,2 Milliarden Euro umgesetzt.

Nun schicken sie sich an, den Weltmarkt weiter aufzumischen. Und dabei ihre Familientradition ein Stück weit aufzugeben.

Die Ferreros sind äußerst medienscheu – wohl auch, weil sie äußerst wohlhabend sind. Der Patriarch der Familie, der 84-jährige Gründersohn Michele Ferrero, steht mit seiner Familie in der „Forbes“-Liste der reichsten Italiener mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Milliarden Euro auf Platz eins, noch deutlich vor Ministerpräsident und Medienmogul Silvio Berlusconi. Gleichwohl hat Ferrero noch nie durch große Übernahmen von sich reden gemacht. Michele Ferreo ist bekannt für seine Aversion gegen die Börse und dafür, dass er nur aus eigener Kraft wachsen will.

Doch seine Söhne Pietro und Gio-vanni, beide Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, könnten nun mit der Familientradition brechen: Ferrero gilt gemeinsam mit dem US-Schokospezialisten Hershey als potenzieller weißer Ritter in der Übernahmeschlacht um das britische Unternehmen Cadbury. Vor einer Woche hat der US-Lebensmittelriese Kraft ein feindliches Übernahmeangebot über rund elf Milliarden Euro für Cadbury vorgelegt, das die Briten jedoch ablehnen. Mit dem Kauf von Cadbury würde Kraft zum weltgrößten Süßwarenhersteller mit 15 Prozent Marktanteil aufsteigen.

Um das zu verhindern, arbeiten Ferrero und Hershey nun anscheinend an einer gemeinsamen Gegenofferte. Die Verhandlungen mit den Italienern führt der Hershey-Chef David West nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ höchstpersönlich. Hershey bestätigte gestern, dass sie „ihre Optionen prüfen“. Auch bei Ferrero hieß es, man sei in einem „frühen Stadium, die Optionen in Hinblick auf Cadbury zu prüfen“.

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