Scania-Aktionäre gegen VW
Die widerspenstigen Schweden

Der Scania-Verwaltungsrat empfiehlt den eigenen Aktionären, das Übernahmeangebot von Volkswagen abzulehnen und pocht auf die Eigenständigkeit. Ein Nackenschlag für Konzernpatriarch Piëch.
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DüsseldorfIm Zwölf-Marken-Reich des Volkswagens-Konzerns wird die Frage nach der Führung eigentlich nicht gestellt. Niemand, nicht einmal Konzernchef Martin Winterkorn, würde es wagen, den Worten des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch öffentlich zu widersprechen. Und seine Ziele hat der Konzernpatriarch klar formuliert: Volkswagen soll die Nummer Eins werden – auch bei den Nutzfahrzeugen.

Mit Scania und MAN haben die Wolfsburger für dieses Ziel eigentlich zwei starke Lkw-Bauer im Konzern, wenn die Elefanten ihre Kräfte bündeln würden. Doch bisher stockt die Zusammenarbeit nicht nur, die Münchener und die Schweden beäugen sich äußerst skeptisch – obwohl bei MAN mit Anders Nielsen ein ehemaliger Scania-Manager im Chefsessel sitzt. Und auch die Zusagen aus Wolfsburg, die Unabhängigkeit der Schweden zu bewahren, halfen bisher wenig.

Mit der Übernahme der verbliebenen Minderheitsanteile für 6,7 Milliarden Euro will Volkswagen darum die Zügel enger ziehen. Statt dem schwedischen Triumvirat aus MAN-Chef Nielsen, Scania-Chef Östling und ihrem übergeordneten Koordinator Leif Östling, könnte dann schon im kommenden Jahr der ehemaliger Daimler-Vorstand Andreas Renschler die Richtung vorgeben. Bei MAN haben die Wolfsburger durch einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag ohnehin die volle Kontrolle.

Doch die Schweden erweisen sich auch in diesem Fall als hartnäckig und unangenehm für die Führung aus Wolfsburg. Der unabhängige Teil des Verwaltungsrats hat nun den Minderheitsaktionären empfohlen, das Angebot der Wolfsburger abzulehnen. Scania sei mehr wert, teilte das Unternehmen mit. Ein kleiner Nackenschlag für Piëch, der dem Gremium selbst angehört. Der Spezialist für Luxuslaster will sogar seine Quartalszahlen vorziehen, um noch in der laufenden Phase des Übernahmeangebots aus Wolfsburg seine Zugkraft zu demonstrieren. Ein übliches Geplänkel, sagen Marktbeobachter, aber ein Geplänkel, das Volkswagen mehr Geld kosten könnte.

Dabei fällt das Angebot mit 6,7 Milliarden Euro - etwa 50 Prozent über den durchschnittlichen Wert der Aktien - eigentlich schon üppig aus. Denn viel mehr operative Kontrolle hätten die Wolfsburger auch bei einer vollständigen Übernahme nicht. Man würde sich höchstens den Widerstand der Minderheitsaktionäre gegen eine engere Kooperation vom Halse schaffen.

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Eine kleine Niederlage

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