Scania hebt Prognose an
Scania-Chef spürt höchste Nachfrage seit den 60er-Jahren

Der LKW-Hersteller Scania hat seine Prognose angehoben: In den kommenden vier Jahren strebt Scania-Chef Leif Östling ein jährliches Wachstum von zehn Prozent an. Vor allem das Wachstum in Russland entwickelte sich positiver als erwartet. Zu den laufenden Fusionsgesprächen zwischen MAN und dem Hauptaktionär Volkswagen machte Östling keine Aussage.

STOCKHOLM. Es war eine gewisse Erleichterung im Gesicht von Leif Östling zu spüren. „Es ist schön, alle zu einem Kapitalmarkt-Tag unter normalen Umständen zu begrüßen“, erklärte der Chef des schwedischen LKW-Konzerns Scania, als er gestern in Södertälje bei Stockholm Analysten, Investoren und Journalisten willkommen hieß. Vor einem Jahr fand diese Veranstaltung unter ganz anderen Vorzeichen statt, hatte doch gerade der deutsche Konkurrent MAN ein später von Östling als feindlich bezeichnetes Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses ist mittlerweile gescheitert, und Volkswagen als größter Aktionär sowohl bei MAN wie auch Scania bastelt noch immer an einer Dreier-Lösung. Bis die auf dem Tisch liegt, will Östling deshalb eine eventuelle LKW-Ehe mit MAN und der brasilianischen LKW-Sparte von VW nicht kommentieren. Er spricht in Södertälje vom „business as usual“ und sagt, dass er „einhundertprozentige Unterstützung des Aufsichtsrates, in dem die Hauptaktionäre sitzen“ spürt.

Ins Schwärmen kommt der LKW-Chef dagegen, wenn es um seinen Konzern geht: „Eine solche Nachfrage wie jetzt haben wir seit den 50er- und 60er-Jahren nicht mehr gesehen“, strahlte er und setzte noch einen drauf: „Der russische Markt explodiert förmlich“. Deshalb kam es nicht unerwartet, dass der Scania-Chef die Prognosen für seinen Konzern erhöhte. Nun will der nach Volvo zweitgrößte Truck-Bauer Schwedens bis 2009/2010 jährlich insgesamt 100 000 schwere LKWs produzieren. In diesem Jahr sind es nur 80 000. Eine Montage-Fabrik in Russland soll in drei bis vier Jahren fertiggestellt sein, um die Produktion vor Ort noch einmal um rund 10 000 Einheiten zu erhöhen. Analysten in Stockholm bezeichneten Östlings Ziel, in den kommenden vier Jahren jährlich rund zehn Prozent zu wachsen, als „noch positiver als erwartet“.

Glänzende Aussichten für Östling, dessen Mine sich gestern immer dann verdüsterte, wenn der unliebsame Konkurrent aus Deutschland zur Sprache kam. Die von den beteiligten Heißspornen selbst auferlegte Abkühlungsphase nach dem gescheiterten feindlichen Übernahmeversuch durch MAN scheint fortzubestehen. Der Scania-Chef betonte auf jeden Fall, dass er außer mit Hauptaktionär VW keinen weiteren Kontakte gehabt habe. Dann bat er freundlich, das Thema zu wechseln.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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