Scania schlägt zurück
MAN wird vom Jäger zum Gejagten

Die geplante Übernahme des schwedischen Lastwagenbauers Scania durch MAN könnte für den Münchener Konzern nach hinten losgehen. Die Schweden wollen offenbar mit einer Gegenofferte das feindliche Angebot des deutschen Konkurrenten kontern. Jetzt kommt es mehr denn je auf den zweifachen Großaktionär VW an. Finanzkreise glauben zu wissen, wie sich die Wolfsburger entscheiden.

hst/hz/fas STOCKHOLM/MÜNCHEN. Die Pläne der Schweden erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. Scania-Hauptaktionär Investor – die Holding der Industriellenfamilie Wallenberg – bereite die Gegenofferte derzeit vor, hieß es. Investor-Chef Börje Ekholm hatte bereits vor einem Monat gesagt, dass man sich alle Alternativen zur Bildung einer großen LKW-Ehe anschaue. „Dazu zählt auch ein Gegengebot“, so Ekholm. Damit würde MAN erstmals in der Übernahmeschlacht vom Jäger zum Gejagten. MAN wird voraussichtlich am heutigen Donnerstag sein Übernahmeangebot für Scania offiziell veröffentlichen.

Offiziell wollten weder MAN, noch Scania oder Investor eine Stellungnahme abgeben. Auch Volkswagen hüllt sich zu den Vorgängen in Schweigen. Den Wolfsburgern, die 34 Prozent der Stimmrechte an Scania und 15,6 Prozent an MAN halten, kommt die Schlüsselposition in dem Übernahmekampf der LKW-Hersteller zu. Diesen hatte MAN-Chef Hakan Samuelsson Mitte September angezettelt, stieß aber auf Ablehnung bei VW, Investor und Scania.

Die nächsten Schritte in dem Poker hängen deshalb vom Verhalten der Wolfsburger ab, deren Aufsichtsrat am morgigen Freitag über das weitere Vorgehen bei MAN/Scania beraten wird. Der scheidende VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte Mitte Oktober beide Unternehmen ultimativ aufgefordert, bis zur VW-Aufsichtsratssitzung eine einvernehmliche Lösung zu finden – ansonsten drohte Pischetsrieder den Unternehmen notfalls auch mit feindlichen Aktionen. Pischetsrieder ist als künftiger Aufsichtsratschef eines möglichen neuen LKW-Konzerns im Gespräch und soll die Fusion vorantreiben.

Die Wolfsburger dringen zwar auf einen Zusammenschluss – aber zu ihren Konditionen. Mitte Oktober nahm VW dann überraschend die Zügel im Übernahmekampf in die Hand und stieg auch mit 15,6 Prozent bei MAN ein und setzte damit beide Konzerne unter Zugzwang. Angesichts der neuerlichen Milliardeninvestition können sich aber die Wolfsburger ein Scheitern des geplanten LKW-Zusammenschlusses kaum mehr leisten. Die LKW-Ehe ist für Europas größten Autokonzern zum Erfolg verdammt. Da Investor aber gleichzeitig eine Sperrminorität bei Scania aufgebaut hat, kommt VW an den Schweden nicht mehr vorbei.

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