Scania soll MAN kaufen
Volkswagen muss seine Lkw-Strategie ändern

Volkswagen bringt neuen Schwung in die stockende Integration seiner Lkw-Beteiligungen. Kartellrechtliche Probleme bei der bisher geplanten Zusammenarbeit zwischen Volkswagens schwedischer Tochter Scania und dem Münchner Konkurrenten MAN, an dem VW knapp 30 Prozent hält, führen zu einem radikalen Umdenken.
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MÜNCHEN/STOCKHOLM/KÖLN. Statt intensiverer Kooperation fasst die VW-Führung nun eine gesellschaftsrechtliche Verschränkung ins Auge, erfuhr das "Handelsblatt" aus Verhandlungskreisen. Ein internes Szenario sieht vor, dass Scania den VW-Anteil an MAN übernehmen und ausbauen soll. Das käme Volkswagen unter dem Strich billiger als eine Konsolidierung unter dem MAN-Dach, heißt es. Der "Spiegel" berichtete über einen entsprechenden Plan der Wolfsburger.

Demnach will Europas größter Autobauer seinen Anteil an Scania von 71 Prozent der Stimmrechte auf bis zu 80 Prozent erhöhen und Scania seinen Anteil an MAN abtreten. Die Schweden sollen den übrigen MAN-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten und Mehrheitsaktionär des Münchner Konkurrenten werden. Verhandlungskreisen zufolge dürfte die Integration unter schwedischem Dach allerdings auf Widerstand der deutschen IG Metall stoßen, der VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch die Eigenständigkeit des deutschen Unternehmens MAN zugesichert haben soll. Beteiligten zufolge soll der Schritt deshalb als Vereinigung der gleich starken Unternehmen MAN und Scania vermittelt werden.

Sprecher von VW, Scania und MAN sagten übereinstimmend, Marktspekulationen würden sie generell nicht kommentieren. Der Scania-Sprecher räumte aber ein, dass MAN und Scania in den vergangenen Monaten regelmäßig Gespräche über eine intensivere Zusammenarbeit geführt hätten: "Wir sprechen über gemeinsame Entwicklungen und den Einkauf." Scania-Chef Leif Östling hatte im Sommer die gemeinsame Versorgung mit Komponenten wie Getrieben und Achsen als mögliche Felder einer engeren Kooperation genannt. Die deutsche Konzernmutter Volkswagen strebt schon lange eine große Allianz von Scania und MAN an, die beide im Vergleich zu Branchenführer Daimler international zu klein seien. Das eigene Geschäft mit schweren Trucks in Brasilien hat VW bereits an MAN verkauft.

Heute sagte MAN, dass noch keine Vorentscheidung über eine engere Kooperation mit Scania gefallen sei: „Zum gegenwärtigen frühen Zeitpunkt ist weder ein Ergebnis der Diskussionen absehbar noch eine Entscheidung gefallen.“

Der frühere MAN-Chef Håkan Samuelsson hatte vergeblich versucht, Scania zu übernehmen. MAN hält gut 17 Prozent an Scania. VW hatte sich daraufhin an MAN beteiligt und Scania übernommen. Dahinter steht das Ziel, Kosten zu sparen. So verschlingt allein die anstehende Entwicklung von verbrauchsärmeren Motoren der nächsten Generation Milliarden. MAN sieht früheren Äußerungen zufolge in der Zusammenarbeit mit Scania Synergien in Höhe von einer halben Mrd. Euro pro Jahr.

Allerdings würde es den VW-Konzern, der bereits die gut 16 Mrd. Euro schwere Fusion mit Porsche stemmen muss, mehr Geld kosten, erst die Mehrheit an MAN zu übernehmen als die nun favorisierte schwedische Lösung zu verfolgen.

Ob es am Ende so kommt, bleibt offen. Der erwartete Widerstand besonders von der IG Metall könnte einen Kompromiss erzwingen. VW-Patriarch Piëch gehe es mit dem Plan darum, Druck auszuüben, um mehr Dynamik zwischen Scania und MAN zu erreichen, heißt es. Piëch fungiert parallel als Chefaufseher von VW und MAN. Seit einigen Wochen verfügt VW über ein eigenständiges Vorstandsressort für die Lkw-Kooperation, das der Manager Jochem Heizmann leitet.

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