Scania-Übernahme
Schwerer Brocken

Eine Scania-Übernahme birgt große Risiken für MAN. Das geschickte Manöver der Skandinavier hat nicht nur den Preis enorm in die Höhe getrieben. Es zeigt auch, dass das Management der Schweden das Unternehmen nicht kampflos übergeben will.

STOCKHOLM/FRANKFURT/MÜNCHEN. Eins zu null für die Schweden: Mit der gezielten Indiskretion, dass der Münchener MAN-Konzern sich auf eine Übernahme vorbereite, hat das Management des schwedischen Wettbewerbers Scania den Abwehrkampf eingeleitet. Allein in den ersten 24 Stunden nach Bekanntwerden der Offerte hat sich der Preis für Scania um einen Milliardenbetrag erhöht. Das ist ganz im Sinne des schwedischen Managements unter Leif Östling, das zuletzt keine Möglichkeit ausgelassen hat, auf Unabhängigkeit zu pochen.

Analysten in Stockholm gehen sogar davon aus, dass Östling selbst das bevorstehende Übernahmeangebot von MAN an die Öffentlichkeit gebracht hat. „Östling wurde vermutlich informiert, dass ein freundliches Angebot kommen werde“, sagte ein Analyst. Östling habe das Angebot als feindlich bewertet, in die Öffentlichkeit gebracht und den Aktienkurs von Scania deutlich nach oben getrieben.

„Das könnte den Deal zu Fall bringen“, wird bereits in der Branche spekuliert. Denn Scania war auch vor den Übernahmegerüchten nicht gerade billig. Die Branche befindet sich auf dem Höhepunkt des Nachfragezyklus, Scania gilt als der profitabelste Anbieter, entsprechend hatte sich der Kurs in den vergangenen drei Jahren bereits verdoppelt. Schon tauchen Zweifel auf, ob der Deal jetzt noch Sinn ergibt: „Preis und Timing“ seien nicht optimal, kommentiert beispielsweise Rolf Woller von der Hypo-Vereinsbank. In Skandinavien sind bereits patriotisch gefärbte Töne zu hören: „Wenn jemand kaufen sollte, dann ist es Scania, die MAN übernehmen“, sagte ein Analyst in Stockholm.

MAN treibt den Kurs nach oben

Nach dem zweistelligen Kurssprung der vergangenen Tage hat sich der Börsenwert von Scania mit rund 9,1 Milliarden Euro an den von MAN nahezu angeglichen – ein Zustand, der nach Expertenmeinung auf eine Fusion gleichberechtigter Partner hinauslaufen könnte.

Die Veröffentlichung der Übernahmegelüste am Dienstag hat MAN wohl zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Vorbereitungen getroffen. Das verlautete aus unternehmensnahen Kreisen. Zwar habe es schon Gespräche mit dem Scania-Großaktionär VW (Stimmrechtsanteil 34 Prozent) und dem zweitgrößten Anteilseigner, der schwedischen Investor-Holding mit einem Anteil von gut 19 Prozent, gegeben. Abschließende Vereinbarungen seien aber noch nicht getroffen worden, hieß es in unternehmensnahen Kreisen. „Mit VW gibt es kein Agreement“, bestätigte eine Sprecherin. „Wenn ein Angebot kommt, werden wir es auswerten“, sagte ein Investor-Sprecher.

Seite 1:

Schwerer Brocken

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%