Scania-Übernahme
VW macht MAN Hoffnung

Trotz der schroffen Absage an das Übernahmeangebot für den LKW-Hersteller Scania will sich Volkswagen dem Münchener Konkurrenten MAN nicht gänzlich verschließen. Aus Konzernkreisen verlautete, dass VW-Chef Bernd Pischetsrieder im Falle einer Übernahme am neuen Konzern beteiligt sein will und entsprechenden Einfluss ausüben möchte.

PARIS / MÜNCHEN / STOCKHOLM. Seit einer Woche versucht der Münchener LKW-Hersteller MAN, seinen schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen. MAN-Chef Håkan Samuelsson möchte auf diese Weise den größten Bus- und LKW-Hersteller Europas formieren. Doch sein öffentliches Übernahmeangebot haben die beiden Scania-Großaktionäre bislang abgelehnt: Die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg will mehr Geld, und der Volkswagenkonzern ist daran interessiert, sein eigenes LKW-Geschäft in Brasilien in das neue Unternehmen einzubringen und vor allem großen Einfluss hierauf zu gewinnen. Wenn VW sein LKW-Geschäft und seinen Markennamen einbringe, so sagte Pischetsrieder am gestrigen Donnerstag am Rande des Pariser Autosalons, „dann sollte es nicht ohne uns laufen können“.

Trotz der harschen Absage an die Übernahmeofferte von MAN will Volkswagen dem Münchener Konzern nicht die Tür zuschlagen. „Beim Ziel liegen MAN und wir nicht auseinander“, sagt VW-Chef Bernd Pischetsrieder, fordert aber: „Ich möchte eine kreative Rolle in diesem Prozess spielen.“ Zugleich deutete der VW-Chef an, dass er bereit ist, Samuelsson eine Brücke zu bauen: „Es kann nur etwas werden, wenn keiner sein Gesicht verliert. Aber dieses Ziel allein wäre zu wenig anspruchsvoll.“ Es gebe keine „Feindschaft“ zwischen MAN und VW. Es sei ja auch nur eine freundliche Einigung zwischen den Herstellern vorstellbar, da die Unternehmen am Ende vertrauensvoll zusammenarbeiten müssten.

Pischetsrieder und Samuelsson trafen sich am Dienstag, um Möglichkeiten für eine Einigung auszuloten. Denn nicht nur MAN hat sich eine Abfuhr abgeholt, auch Volkswagen ist mit seiner Maximalforderung nicht durchgedrungen. Den Wolfsburgern schwebte nämlich vor, nur die Nutzfahrzeugsparte von MAN in das Dreierbündnis einzubeziehen und die Diesel- und Turbomaschinensparte der Münchener draußen zu lassen. Das wäre faktisch auf eine Zerschlagung der MAN hinausgelaufen.

Samuelsson hat hieran kein Interesse und will am Ende Chef des neuen Unternehmens werden. Pischetsrieder, bislang Aufsichtsratschef bei Scania, könnte bei einer Einigung den obersten Kontrollposten in einer neuen MAN bekommen.

Eine solche Lösung setzte auf jeden Fall eine Erhöhung des Angebotes voraus. Diese Möglichkeit hat Samuelsson bereits Anfang der Woche angedeutet; sie ist aber nicht leicht umzusetzen. Die Scania-Anteile sind in A- und B-Aktien unterteilt, wobei erstere ein Mehrfachstimmrecht haben. Bislang bietet MAN 442 Kronen pro Scania-Aktie, das Gesamtgebot beläuft sich demnach auf 9,6 Mrd. Euro. Volkswagen verlangt für seine A-Aktien aber einen höheren Preis. Dies zöge eine erhebliche Verteuerung des Unternehmenskaufs nach sich, weil dann alle A-Aktionäre den gleichen Betrag je Aktie erhalten müssten.

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