Schadenersatz-Prozess
Porsches Gerichtsmarathon wird zur Deutschlandtour

Es geht um Milliarden: Hedge-Fonds sind aufgebracht, weil beim Übernahmekampf zwischen Volkswagen und Porsche der VW-Aktienkurs explodiert war. Die erste Gerichtstermin in Braunschweig dauert allerdings nicht lange.
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BraunschweigDie milliardenschweren Schadensersatz-Prozesse  einer Gruppe von US-Investoren um Elliott Partners gegen VW-Großaktionär Porsche gehen weiter, nur der Verhandlungsort dürfte dann ein anderer sein. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Braunschweig, Stefan Puhle, brauchte nicht lange, um seine Zweifel zu verkünden, ob das Landgericht Braunschweig bei der rund zwei Milliarden schweren Klage gegen Porsche überhaupt zuständig ist. Er will den Fall an ein Kartellgericht abtreten. Ob nach Frankfurt oder Hannover, das wird die 5. Zivilkammer am 19. Juni verkünden.

Zum Hintergrund: Insgesamt werden in Braunschweig neun Porsche-Klagen verhandelt. Im vergangenen September schmetterte der Richter die ersten beiden  kleineren Anlegerklagen gegen Porsche ab. Die Urteile sind inzwischen rechtskräftig. Ein weiteres wurde beendet, weil der Kläger die Gerichtskosten nicht aufbringen konnte. Die damalige Entscheidung legte nahe, dass die weiteren Klagen um weitaus höhere Summen ebenfalls wenig Aussicht auf Erfolg haben. Im vergangenen November reichten die klagenden US-Investmentfonds einen Schriftsatz mit kartellrechtlichen Aspekten ein. Dabei geht es vor allem darum, dass Porsche sich am 26. Oktober  2008 ein kartellrechtlich problematische Marktmacht über die VW-Aktien unter anderem durch Fehlinformationen verschafft hat.

Damals gab Porsche bekannt Kontrolle über 74,1 Prozent der VW-Aktien zu haben. Da das Land Niedersachsen ebenfalls 20 Prozent der VW-Aktien hielt waren rechnerisch nur noch 5,9 Prozent auf dem Markt. Problematisch sei zudem, dass eine Beteiligungsgesellschaft  der Familien Porsche und Piëch kurz vorher am 15. Oktober 2008 sich 2,37 Prozent der VW-Stammaktien am Markt gekauft habe. Damit seien nur noch 3,5 Prozent der Aktien am Markt gewesen, aber gleichzeitig 12 Prozent Leerverkäufe im Markt gewesen. Porsche habe das genau gewusst und wusste auch dass die Information eine Kursexplosion auslösen würde, weil sich viele Anleger mit VW-Aktien eindecken mussten. Das sei eine illegale Kartellbildung zum Aufbau einer marktbeherrschenden Stellung, hieß es im Umfeld der  Kläger.

In der Verhandlung stellte der Anwalt der Kläger Josef Broich Antrag auf Überweisung des Falles. Dabei bevorzugt die Klägerseite als Gerichtsort Frankfurt. "Hier ist die Börse und Sitz der Maple Bank, über die Porsche die Optionsgeschäfte abwickelte", sagte der Anwalt.

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„Wir halten alle Klagen für unbegründet“

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  • ihre lotterie hat ja auch nicht vorher falsche zahlen bekanntgegeben auf die Sie gesetzt haben

    ihr vergleich hinkt auf beiden beinen

  • Wiedeking u. Härter schlugen die Hedgefonds mit ihren eigenen Waffen.
    Beide haben dafür das Bundesverdienstkreuz zu bekommen. Aber dieses Kreuz bekommen oft nur Pfeifen!

  • Also das ist nun wirklich dreist! Da haben sich Spekulanten mit dem dubiosen Instrument "Leerverkauf" so richtig verspekuliert und sind auf den Bauch gefallen und nun wollen sie Schadenersatz! Das ist in meinen Augen Ähnlich, wie wenn ich eine Lotterie verklage, weil ich nicht gewonnen habe!

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