Schadenersatzklagen

Contergan-Skandal kocht in Australien hoch

Anwälte australischer Contergan-Opfer behaupten, Firmen und Ärzte hätten früh von Nebenwirkungen des Beruhigungsmittels gewusst und belegen das mit Dokumenten. Der Hersteller hält die Vorwürfe für alt und abgehandelt.
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Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan steht in einer Vitrine im Deutschen Museum in München.

SydneyDie Rechtsanwälte australischer Contergan-Opfer erheben schwere Vorwürfe gegen Vertriebsfirmen, Ärzte und Hersteller des Beruhigungsmittels Contergan. Der Melbourner Anwalt Michael Magazanik legte bisher angeblich unveröffentlichte Papiere vor, die aus den Archiven des deutschen Pharmaunternehmens Grünenthal stammen sollen. Diese zeugten von einem bemerkenswerten Fehlverhalten der Vertriebsfirma des Beruhigungsmittels, sowie von Forschern und Ärzten. Der vom Aachener Konzern zur Bekämpfung von Morgenübelkeit bei Schwangeren entwickelte Wirkstoff Thalidomid war 1960 auch in Australien an Frauen abgegeben worden.

Laut den Unterlagen hatte die Firma Distillers Company das Produkt unter dem Markennamen Distaval vertrieben, obwohl noch keine Tests an Labortieren vorgenommen worden waren. Als Folge seien Babys mit massiven Missbildungen oder fehlenden Gliedmaßen und Organen geboren worden, so der Anwalt.

Die Dokumente wurden im Zuge der in Melbourne laufenden Schadenersatzprozesse gegen die Nachfolgefirma des australischen Vertreibers des Produktes, den multinationalen Getränkekonzern Diageo mit Sitz in Großbritannien, sowie gegen den deutschen Hersteller Grünenthal veröffentlicht.

Die Hauptklägerin in dem Sammelprozess, Lynette Rowe, kam schwer behindert zur Welt, nachdem ihre Mutter den in Europa unter dem Namen Contergan millionenfach auch als Beruhigungsmittel verkauften Stoff eingenommen hatte. Weltweit waren zwischen 5000 und 10.000 Kinder betroffen.

Laut den Dokumenten, die Rowes Anwalt am Freitag veröffentlicht hat, wurden im März 1960 in mehreren australischen Krankenhäusern Distaval an schwangere Frauen abgegeben. Das Medikament sei ab August 1960 auch von Apotheken verkauft worden. Werbematerial habe von einer „außerordentlichen Sicherheit“ des Wirkstoffs Thalidomid gesprochen.

Australischer Vertriebspartner unter Beschuss
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58 Kommentare zu "Schadenersatzklagen: Contergan-Skandal kocht in Australien hoch"

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  • Auch nach 50 jahren werden die Opfer nicht ausreichend entschädigt? Angeblich gibt es zu wenig "öffentliches Interesse" Schließlich betrifft es ja nur ein paar Tausend!
    Wer die petition unterschreiben möchte findet hier die Liste! Jetzt Verantwortung übernehmen und unterschreiben!
    http://www.vogelbianca.de/index.php?option=com_content&view=article&id=56&Itemid=64

  • Ja Unrecht das ist das richtige Wort dafür was uns Grünenthal Opfer angetan wurde . Und nicht nur von Grünenthal sondern auch von der damaligen Regierung . Grünenthal hat mit ganz viel Vitamin B es geschafft uns Contergan Opfer im Regen stehen zu lassen . Und unsere Eltern wussten nicht was Contergan für ein Teufelszeug ist . Es wurde angepriesen mit ? So harmlos wie ein Zuckerplätzchen obwohl ich überzeugt bin Grünenthal hat es da schon gewußt was es anrichten kann tut . Diese in meinen Augen Schwerverbrecher haben alles getan um unsere Eltern zu verhöhnen .

  • Es ist einfach unfassbar!
    Den Pharmakonzernen war es damals wohl einfach egal was anstellen. Selbst bei Anzeichen von Missbildungen verursacht durch die eigenen Produkte wurden diese schön weiterverkauft. Ärzte oftmals noch mit Pramien belohnt.

    Das Schlimmste ist dass heute nicht zu dieser Schuld gestanden wird.

    Siehe auch Bayer / Schering bezüglich Duogynon.
    Hier läuft in Deutschland eine Klage die einfach nur mal Klarheit schaffen soll -- hier wehrt sich der Pharmakonzern mit Händen und Füssen gegen die Offenlegung der Dokumente/Studien/usw. Es wird sich einfach nur auf die Verjährung bezogen... Die Menschen und die Schicksale sind egal!

  • Nicht nur in Australien kocht die Wut hoch. Auch in Deutschland sind die Pharmaopfer wütend, gedemütigt, hilflos und verbittert wegen dem großen Unrecht was ihnen damals als noch unmündige Kinder widerfahren ist. Es war reine Erpressung was Grünenthal und der Staat als Erfüllungsgehilfe mit unseren überforderten Eltern damals gemacht haben. Die verzweifelten Eltern der überlebenden behinderten Kinder wurden nach über 9 Jahren ohne finanzielle Unterstützung vor die Wahl gestellt: Entweder Sie stimmten dem unbilligen, sittenwidrigen und lächerlichen Vergleich mit der Aufgabe aller weiteren Schadensersatzforderungen gegenüber Grünenthal zu oder sie bekommen überhaupt nichts. Noch während des laufenden Verfahrens wurde der Sozius eines der über 20 Top - Strafverteidiger Dr. Dr. Neuberger plötzlich Justizminister von NRW und somit oberster Dienstherr der Staatsanwaltschaft und des Richters. Auch wurde u.a. der Medizin Nobelpreisträger Dr. Ernst Boris Chain geb. 19.06.1906 von Grünenthal als Gutachter benannt. Diesem prominenten Zeugen wurde vor der Anhörung Flüge sowie die Hotelspesen von Grünenthal bezahlt. Auch zeigte sich Grünenthal mit einigen weiteren Präsenten sehr wohl erkenntlich, damit dieser im Sinne der Angeklagten aussagte. Das ganze Verfahren war manipuliert und diente nur einem einzigen Zweck, keinen Präzedenzfall für die pharmazeutische und chemische Industrie aus haftungsrechtlichen Gründen zu schaffen. Deshalb vermied man bewusst die Feststellung einer Individualschuld der Angeklagten und sorgte dafür, das die Verurteilten straffrei blieben. Das Verfahren wurde dann wegen „mangelndem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung nach § 153 StPO“ und „geringfügiger Schuld der Angeklagten“ eingestellt.
    „Mangelndes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung“ bei einem Medikament das Tausende den Tod und die Verkrüppelung brachte ? So urteilt eben die Justiz in Deutschland , wenn große Firmen finanziell geschützt werden sollen.

  • Danke, leider denken viel zu wenige so, aus Gleichgültigkeit.

  • Ich halte es ganz eifach solidarisch und kaufe
    keine Produktevon Dalli Waschmittel,von Mäurer und Wirtz,
    4711 und Grünenthal!
    Auch wenn es diese bei Aldi und co unter anderen Namen gibz,dank internet!

  • Nachdem der Contergan-Prozess schon über Jahre lief, wollte man ein schnelles Ende erreichen und bot die Stiftungslösung an. Die Eltern der Conterganopfer wurden regelrecht gezwungen, dem Vergleich zuzustimmen, was Voraussetzung für die Stiftungslösung war. Man sagte unseren Eltern, wenn ihr nicht unterschreibt, bekommt Ihr gar nichts. Das war reine Erpessung ! Wie ich finde, auch ein Grund, die Einstellung juristisch zu überprüfen. Letztlich wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Wort haben.

  • Hallo Nachwuchs in einem Contergan-Werbeprospekt für Frauenärzte, den Familie Wirtz 1958 herausgab, hieß es: In der Schwangerschaft und Stillzeit ist der weibliche Organismus besonderen Belastungen ausgesetzt … Die Verordnung eines Sedativums und Hypnoticums, das weder Mutter noch Kind schädigt, ist daher erforderlich. - Meine Frage an Sie: Glauben Sie wirklich, Familie Wirtz hätte jemals zugelassen, dass in einem Contergan-Beipackzettel irgendwelche Warnhinweise für Schwangere aufgedruckt werden? Die ganze Werbekampagne wäre dann doch absurd.

  • Hallo Murmel Der Großteil des Wirtz-Vermögens (ca. 4 Milliarden Euro) beruht auf den Einnahmen, die mit Contergan erzielt wurden. Daher ist es mehr als moralisch gerechtfertigt, dass die Conterganentschädigung direkt und ausschließlich aus dem Wirtzvermögen erfolgt. Da die betroffenen Grünenthalangestellten demnach überhaupt keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen, finde auch ich die Äußerungen von Analyst etwas verwunderlich.

  • Gartenfee steht für Brigitte Speer
    Moderatorin im www.contergannetzwerk.de

    Mein richtiger Name wollte das System nicht annehmen .

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