Schadensersatz-Klagen
Gericht will in Porsche-Prozessen entscheiden

Gegen Porsche läuft eine Serie von Schadensersatz-Prozessen. Das Landgericht Braunschweig will am 30. Juli über fünf Klagen urteilen. Bereits im Mai soll über weitere Forderungen in Milliardenhöhe entschieden werden.
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HamburgIn der Serie von Schadensersatz-Prozessen gegen VW-Großaktionär Porsche will das Landgericht Braunschweig am 30. Juli eine Entscheidung verkünden. Dann wolle die Kammer bekanntgeben, ob sie in der Klage eines Finanzdienstleisters in die Beweisaufnahme eintrete, erläuterte eine Gerichtssprecherin. Auch ein Urteil sei denkbar. Wahrscheinlich werde die Kammer dann auch über die anderen vier in Braunschweig anhängigen Schadensersatzforderungen entscheiden, fügte die Sprecherin hinzu.

In dem am Mittwoch verhandelten Verfahren geht es um die vergleichsweise kleine Summe von 132.000 Euro, die ein Anleger von Porsche fordert, weil er sich in der Übernahmeschlacht um Volkswagen vor sechs Jahren hinters Licht geführt sieht. Im Mai stehen weitere Schadensersatzklagen auf der Agenda des Gerichts. In einem Fall geht es dabei um rund 1,8 Milliarden Euro.

Vor dem Landgericht Stuttgart hatte Porsche im März einen Etappensieg bei der Abwehr einer Schadensersatzforderung in Höhe von 1,36 Milliarden Euro erzielt. Das Gericht wies die Klage von zwei Dutzend amerikanischen Hedgefonds ab. Die Richterin entschied, die Fonds hätten nicht nachweisen können, dass sie 2008 ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Dementis von Porsche zu dem VW-Übernahmeplan getroffen hätten. In dem am Mittwoch in Braunschweig behandelten Fall argumentiert der Kläger damit, dass Porsche zu spät über seine Absichten informiert habe.

Porsche hatte sich seit 2005 schrittweise bei VW eingekauft und dabei im März 2008 noch verneint, den viel größeren Wolfsburger Autokonzern beherrschen zu wollen. Als die Porsche Holding im Oktober 2008 bekanntgab, dass sie sich fast drei Viertel der Stimmrechte gesichert hatte, schoss der VW-Kurs in die Höhe. Institutionelle Anleger, die auf sinkende Kurse gewettet hatten, wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen und die Spanne als Gewinn einzustreichen. Nun mussten sie die knappen Aktien zu fast jedem Preis zurückkaufen. In der Folge schoss der Wert der zuvor längere Zeit bei fast 200 Euro liegenden VW-Stammaktien zeitweise auf über 1000 Euro und machte Volkswagen vorübergehend zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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