Schadensersatz-Klagen
US-Justiz urteilt gegen Pharmabranche

Die Pharmahersteller müssen mit verschärften Anforderungen an die Sicherheit ihrer Medikamente rechnen und die Hoffnung auf besseren Schutz gegen Schadensersatz-Klagen vorerst begraben. Entsprechende Schlussfolgerungen ziehen Fachleute und Branchenverbände aus einem mit Spannung erwarteten Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA.

FRANKFURT. Der Supreme Court entschied, dass ein von der Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) genehmigter Beipackzettel Pharmahersteller nicht aus der Verantwortung entlässt, ihre Medikamente bei entsprechenden Verdachtsmomenten mit zusätzlichen Warnhinweisen zu versehen. In dem konkreten Fall ging es um die Klage einer Frau, deren Arm nach der fehlerhaften Anwendung eines Medikaments des Pharmakonzerns Wyeth amputiert werden musste. Der Oberste Gerichtshof bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz, die der Klägerin Schadensersatz in Höhe von sieben Mio. Dollar zugesprochen hatte.

Derartige Klagen sind für die Pharmabranche seit mehr als zehn Jahren ein Dauerthema. Die Zahl der neuen Klagen ist nach Schätzung des Verbandes der Pharmahersteller von 2 700 im Jahr 2001 auf 17 000 im Jahr 2005 angestiegen. Pharmamanager sehen in der Produkthaftung das größte Risiko für ihre Unternehmen und drängen seit längerem auf Einschränkungen bei den Klagemöglichkeiten.

Die häufig sehr hohen Schadensersatz-Summen in den USA sind zudem ein maßgeblicher Grund dafür, dass Pharmakonzerne in der Regel mit relativ hohen Liquiditätsreserven und geringer Verschuldung operieren. Allerdings ist bislang noch kein einziger großer Pharmahersteller durch solche Klagen ernsthaft in Bedrängnis geraten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen entpuppten sich die Schadensersatzsummen am Ende als deutlich niedriger als zunächst befürchtet.

Vertreter der Pharmabranche hatten deshalb darauf gesetzt, dass die obersten Richter das vorangegangene Urteil revidieren und damit eine Grundsatzentscheidung treffen würden, die Klagemöglichkeiten von Patienten erheblich einschränkt. Vor allem hatten die Unternehmen darauf gehofft, dass der Gerichtshof den Vorrang bundesstaatlicher Regulierungen gegenüber dem einzelstaatlichen Verbraucherschutzgesetzen festschreiben würde. Denn viele Schadensersatzklagen gegen die Pharmabranche basieren auf den zum Teil strengeren Vorschriften der einzelnen Bundesstaaten.

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