Schadensersatzforderungen
Kunden sehen Airbus-Start gefährdet

Die Lieferverzögerungen beim Großraumjet Airbus A380 sorgen weiter für Ärger bei wichtigen Kunden.

HB MÜNCHEN. Wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet, ist es fraglich, ob der Erstkunde Singapore Airlines (SIA) den Super-Jumbo noch Ende 2006 in Betrieb nehmen kann. SIA-Manager Peter Tomasch sagte: „Das wird knapp.“ Da Airbus nicht wie geplant liefern könne, müssen laut „Focus“ bei SIA Maschinen vom Typ Boeing 747-400 länger fliegen. SIA müsse dafür die Leasingverträge neu verhandeln. Auch der Flugplan gerate durcheinander.

Wie die A380-Kunden Emirates und Qantas fordert Singapore Airlines laut „Focus“ Schadenersatz. Da Airbus das Flugzeug nicht wie geplant liefern könne, müsse SIA die Leasingverträge für andere Maschinen neu verhandeln und seinen Flugplan ändern, berichtete das Magazin. „Das hemmt unser Wachstum“, sagte Tomasch. SIA fordere nun Schadenersatz für zusätzliche Leasinggebühren und entgangenes Geschäft, berichtete das Magazin. Die europäischen A380-Kunden Lufthansa und Air France wollen das Großraumflugzeug wie geplant ab Frühjahr 2008 in Betrieb nehmen. Lufthansa hofft darauf, Airbus Flugzeuge abnehmen zu können, wenn andere A380-Interessenten abspringen.

Airbus, die wichtigste Tochter des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Auslieferung des Prestigeobjekts A380 werde sich um bis zu sieben Monate verzögern. Die finanziellen Belastungen für den Mutterkonzern EADS führten zu einem Kurssturz der Aktie. EADS war im Jahr 2000 aus der deutschen Daimler-Tochter Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aerospatiale hervorgangen.

Auch Airbus-Verkaufschef unter Druck

Unterdessen gerät beim EADS-Konzern wegen der verspäteten Auslieferung des neuen Großraumflugzeugs A380 nach Co-Konzernchef Noël Forgeard nun auch Airbus-Verkaufschef John Leahy unter Druck. Der gebürtige New Yorker habe noch vor wenigen Monaten den Kunden des Megajets immer neue Extrawünsche bei der Ausstattung bewilligt, obwohl der so genannte Design-freeze, also die Festschreibung der Flugzeugkonfiguration und der benötigten Teile, längst erfolgt war, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Die Konstrukteure der Elektriksparte hätten daraufhin die Neuentwicklung und Produktion zusätzlicher Kabelbäume vornehmen oder in Auftrag geben müssen, die teilweise eine Lieferzeit von mehreren Monaten haben. Sprecher beider Unternehmen wollten zu dem Vorgang nicht Stellung nehmen. Leahy selbst betonte laut „Spiegel“, die Kunden hätten ihre Wünsche alle rechtzeitig vor Produktionsbeginn angemeldet.

Die EADS-Großaktionäre wollen nach französischen Regierungsangaben an diesem Wochenende in Paris über einen Ausweg aus der Krise bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern beraten. Frankreichs Finanzminister Thierry Breton hoffe, binnen 72 Stunden eine Lösung zu finden, sagte ein Regierungssprecher am Samstag. „Dies ist ein Wochenende intensiver französisch-deutscher Verhandlungen“, sagte der Sprecher Bretons. Der Autobauer DaimlerChrysler hält 22,5 Prozent an EADS, der französische Staat und der Medienkonzern Lagardere halten zusammen ebenfalls 22,5 Prozent.

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