Schädliches Pflanzenschutzmittel Beschwerdewelle gegen Monsanto

Der Chemieriese Monsanto muss sich in den USA eine Protestwelle stellen. US-Landwirte laufen Sturm gegen das vermeintlich schädliche Pflanzenschutzmittel Dicamba. Die Behörden kapitulieren bereits.
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Farmer wie dieser Sojabauer klagen über Schäden durch das Monsanto-Pflanzenschutzmittel Dicamba. Quelle: Reuters
Beschädigte Ernte

Farmer wie dieser Sojabauer klagen über Schäden durch das Monsanto-Pflanzenschutzmittel Dicamba.

(Foto: Reuters)

ChicagoNach den Problemen mit einem Pflanzenschutzmittel des Agrarriesen Monsanto werden die USA von einer Beschwerdewelle überschwemmt. In US-Bundesstaaten wie Arkansas, Missouri und Illinois, die zu den Hauptanbaugebieten für Soja gehören, gingen dieses Jahr bislang so viele Beschwerden wegen Schäden nach dem Einsatz des Herbizids Dicamba ein wie sonst in etwa vier Jahren zusammen.

Die Landwirtschaftsbehörden sehen sich nun mit einer langen Liste von Beschwerden notiert, die nicht nur die Kosten für Labortests, sondern auch die Überstunden ihrer Beschäftigten in die Höhe treiben. Mehrere Staaten mussten Mitarbeiter neu zuteilen, um die Last zu bewältigen. „Wir haben nicht das Personal, um in einem Jahr 400 Untersuchungen durchführen und alle anderen erforderlichen Arbeiten erledigen zu können“, sagt Paul Bailey vom Landwirtschaftsministerium in Missouri.

Dort reichten Landwirte rund 310 Beschwerden wegen des Verdachts von Schäden nach dem Einsatz von Dicamba ein zusätzlich zu den rund 80 Beschwerden, die der Staat wegen Pflanzenschutzmitteln normalerweise im Jahr erhält. Nach Daten der Universität von Missouri wurden in den USA bis Mitte Oktober 2708 Untersuchungen wegen Schäden an Pflanzen im Zusammenhang mit Dicamba eingeleitet. Eine neue Formulierung des Pflanzenschutzmittels hat nach Einschätzung von Landwirten und Experten zu erheblichen Schäden an der Ernte geführt, da sich Dicamba verflüchtigt habe, über die Felder getrieben sei und so auch Pflanzen erreicht habe, die nicht gegen das Mittel durch gentechnische Veränderung gewappnet waren.

Die Gewinnbringer der Pharmabranche
Platz 10: Prevenar
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Der Impfstoff schützt vor der Infektionskrankheit Pneumokokken, einer bakteriellen Lungenentzündung, die vor allem für Kleinkinder und ältere Menschen lebensbedrohlich sein kann. Dem Pharma-Riesen Pfizer bringt der Impfstoff jährlich 5,7 Milliarden Dollar ein.

Platz 9: Lantus
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Den Insulin-Stift von Sanofi nutzen weltweit Millionen Diabetiker – und bescheren dem französischen Pharmakonzern jährlich Einnahmen von mehr als sechs Milliarden Dollar.

Platz 8: Herceptin
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Unter dem Namen Herceptin vermarktete der Baseler Pharmakonzern Roche einen Antikörper, der zur Behandlung von einigen Brust- und Magenkrebsformen eingesetzt wird. Die Entwicklung der Arznei durch den Krebsforscher Dennis Slamon wurde 2008 unter dem Titel „Living Proof“ verfilmt. Bis heute hat auch Roche seine Freude an dem Medikament: Es generiert pro Jahr einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar. Damit trägt Herceptin allein mehr als zehn Prozent zum Jahresumsatz von Roche bei.

Platz 7: Avastin
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Mit Avastin hat Roche ein weiteres profitables Krebsmedikament im Portfolio: Avastin ist beispielsweise für Darm-, Lungen- oder Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Die Baseler verdienen pro Jahr 6,72 Milliarden Dollar mit dem Wirkstoff.

Platz 6: Revlimid
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Der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Celgene ist in Europa als „Orphan Drug“ zugelassen – also als Medikament für seltene Krankheiten. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen verschrieben wird, die Therapiekosten jedoch sehr hoch sind. Das Krebsmittel bringt Celgene im Jahr knapp 7 Milliarden Dollar.

Platz 5: MabThera/Rituxan
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Das wichtigste Krebsmittel von Roche generiert jährlich 7,23 Milliarden Dollar Umsatz. Der unter den Namen MabThera und Rituxan vermarktete Wirkstoff gilt als Vorreiter der sogenannten gezielten Krebstherapie, bei der die Antikörper mittels Gentechnik hergestellt werden.

Platz 4: Remicade
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Die Ampullen der US-Pharmariesen Johnson & Johnson sowie Merck & Co. helfen gegen zahlreiche Krankheiten: In Europa ist das Medikament als Therapie etwa für die chronische Darmerkrankung Morbus Crohn oder die Hautkrankheit Schuppenflechte zugelassen. Der Allrounder bringt den beiden Konzernen jährliche Einnahmen von 8,2 Milliarden Dollar.

In Arkansas wurden rund 985 Beschwerden wegen Dicamba eingereicht, die meisten überhaupt in einem US-Bundesstaat. In Illinois liegen rund 421 Beschweren vor, so viele wie noch nie seit 1989. Mindestens 245 davon betreffen Dicamba. Das Pflanzenschutzmittel wird neben Monsanto auch vom deutschen Chemiekonzern BASF sowie von DowDuPont unter anderem Namen hergestellt. BASF betont, dass sein Mittel sicher sei. Ebenso wie der US-Rivale Monsanto, der gegenwärtig vor der Übernahme durch den Leverkusener Bayer-Konzern steht. Monsanto wirft den Landwirten vor, der 4550 Wörter starken Anleitung des Herbizids nicht genau gefolgt zu sein und Dicamba unsachgemäß aufgetragen zu haben.

Die US-Umweltschutzbehörde hatte im vergangenen Jahr den Einsatz des Herbizids während der Vegetationszeit im Sommer genehmigt, nachdem dies zuvor nur vor der Aussaat erlaubt war. Diese Zulassung gilt noch bis November 2018. Die EPA will im kommenden Jahr nach einer Bewertung der Beschwerden und nach Absprache mit Experten entscheiden, ob diese verlängert wird. Der Einsatz 2018 wurde von der Behörde bereits beschränkt.

Für Monsanto ist die Entscheidung von großem wirtschaftlichen Interesse, da sich Dicamba in den vergangenen Jahren als Nachfolger des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat entwickelt hat, gegen den sich zunehmend Resistenzen gebildet haben. Der Konzern geht davon aus, dass 2019 die Hälfte aller in den USA angebauten Sojabohnen aus Saatgut stammt, das für den Einsatz von Dicamba gentechnisch aufgerüstet ist.

  • rtr
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