Schaeffler am Ziel
Continental: Ein Deal, viele Gewinner

Mit Schaefflers Einfluss auf Continental entsteht einer der schlagkräftigsten Spieler unter den großen Automobilzulieferern: Der Coup ordnet das bisherige Kräfteverhältnis in der Branche neu. Und die industrielle Logik beim Zusammengehen der beiden Firmen stimmt, haben sie doch unterschiedliche Stärken. Doch darin liegt zugleich auch die größte Schwäche des Deals.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Keine Pressekonferenz, kein öffentlicher Auftritt. Der verschwiegene Familienkonzern Schaeffler wird seinem Ruf einmal mehr gerecht. Obwohl die Franken das wochenlange Gezerre um Continental in der Nacht zuvor klar für sich entschieden hatten, muss eine zweiseitige Pressemitteilung genügen: "Wir schaffen die Voraussetzung für die Kombination zweier deutscher Technologieführer, die innovative Lösungen für die Herausforderungen der Automobilindustrie liefern wird", heißt es darin wolkig.

Klar ist: Mit Schaefflers Einfluss auf Continental entsteht einer der schlagkräftigsten Spieler unter den großen Automobilzulieferern. Der Verbund rückt unter die Top Drei der Branche vor - neben dem japanischen Rivalen Denso und Branchenprimus Bosch aus Stuttgart. Zusammen beschäftigen die beiden deutschen Unternehmen 216 000 Mitarbeiter und machen mehr als 35 Mrd. Euro Umsatz.

Vor allem Marktführer Bosch erwächst ein neuer Rivale. "Bosch bekommt jetzt einen absolut ebenbürtigen Gegenspieler", sagt Stefan Bratzel, Autoexperte an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Dennoch gibt sich der Marktführer mit Sicht auf das neue Kraftpaket aus Hannover und Herzogenaurach gelassen: "In beiden Fällen handelt es sich um gut geführte Unternehmen, die bereits heute unsere Wettbewerber sind", sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Eine neue Wettbewerbssituation entstehe daher nicht.

Auch die Autoindustrie als wichtigster Kunde des neuen Verbundes sieht kaum Geschäftsrisiken in der Transaktion. "Wir glauben nicht, dass Schaeffler und Conti uns nun die Preise diktieren können", heißt es bei einem großen Hersteller. VW-Chef Martin Winterkorn hatte schon früh betont, dass die Verbindung der Firmen "zunächst mal sehr positiv" sei. Die Sorge der Autobauer ist aber, dass sich ihre Projekte mit Conti durch den Deal verzögern könnten. Generell haben sie großes Interesse an einem starken Gegengewicht zu Bosch, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken.

Die größten Vorteile der Transaktion liegen allerdings auf Seiten der Franken. Schaeffler ist allein zwar der zweitgrößte Lagerhersteller der Welt. Aber beim zukunftsträchtigen Feld der Elektronik, einem der Wachstumsfelder der Automobilindustrie, hatten die Franken bisher wenig zu bieten. Spätestens, wenn Elektrofahrzeuge im nächsten Jahrzehnt zum Massengeschäft werden, dürfte Schaefflers jetziges Kernfeld an Bedeutung verlieren: Die Getriebekomponenten werden beim E-Mobil nicht mehr gebraucht. Der Einstieg bei den Niedersachsen, die bei Antriebstechniken der Zukunft einiges in petto haben, kommt einem Befreiungsschlag für den verschwiegenen Familienkonzern gleich.

"Schaeffler geht es ums Überleben in dem immer schwieriger werdenden Umfeld Autoindustrie", sagt Stuart Pearson, Autoanalyst der Credit Suisse in London. So verspricht sich die auf mechanische Komponenten wie Kugellager spezialisierte Schaeffler-Gruppe viel von der Entwicklung gemeinsamer Autokomponenten. Mit komplexen Systemen für Motor, Getriebe und Fahrwerk lässt sich mehr Geld verdienen als mit kleinen Einzelteilen. "Unverzüglich" sollen nun Kooperationsprojekte ausgelotet werden, teilt Schaeffler mit.

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