Schaeffler in der Krise
Wie Herzogenaurach mit Frau Schaeffler zittert

Herzogenaurach spürt das Beben, das Schaeffler erschüttert: Kirchen und Vereine fürchten um ihren Großspender, der Bürgermeister bangt um einen wichtigen Gewerbesteuerzahler. Und so heißt es im Fränkischen: Beten für die Milliardärin. Ein Report.

HERZOGENAURACH. Die, die Geschichte am Leben halten, wissen vielleicht am besten, was in der Gegenwart auf dem Spiel steht. Josef Bitter hat schwierige Jahre selbst erlebt. Noch mehr solcher Zeiten kennt der 71-Jährige, seitdem er sich mit den Kollegen im Heimatverein Herzogenaurach mit der Geschichte der Stadt beschäftigt – mit den Zeiten, als die Pest viele Einwohner dahinraffte, als das Tuchmachergewerbe und die Schuhindustrie aufblühten und niedergingen.

An diesem Abend Anfang Februar wollen die Mitglieder des Heimatvereins aber eigentlich über halbwegs gute Zeiten sprechen: über das Jahr 1949, als die Stadt ihr 600-jähriges Bestehen feierte. Doch erst einmal geht es bei dem Treffen im ältesten Bürgerhaus der Stadt, einem windschiefen Fachwerkhäuschen aus dem 15. Jahrhundert, bei Schmalzbroten und Wein nur um eines: die Krise der Schaeffler-Gruppe.

„Wir sind stolz auf unseren Schaeffler“, sagt Josef Bitter trotzig. Der „Aurach-Sepp“, wie sie ihn hier nennen, ist sonst immer für einen lustigen Spruch gut. Schließlich ist er Büttenredner. Doch wenn es um Schaeffler geht, verstehen die Franken keinen Spaß.

Der Rest der Republik hat eher Spott und Häme für den Autozulieferer, der sich durch die Übernahme von Continental verhoben hat und jetzt um Staatshilfen bittet. Die Herzogenauracher dagegen lassen auf das Unternehmen und die Eigentümerin Marie-Elisabeth Schaeffler nichts kommen. Ohne Schaeffler, da sind sich alle einig, wäre die Geschichte des Städtchens ganz anders verlaufen. Und ohne Schaeffler wird auch die Zukunft anders aussehen, als sich die Menschen das bisher vorgestellt haben.

Schaeffler braucht Staatshilfen. Dringend.

Es sind vor allem die beiden Sportartikelhersteller Adidas und Puma, die die Stadt weltweit bekanntgemacht haben. Sie lenken ihre Konzerne auch von hier aus. Aber sie produzieren überwiegend in Asien. Schaeffler dagegen stellt 8 000 Arbeitsplätze und Lehrstellen in Herzogenaurach.

Kein Wunder, dass auch die 23 000-Einwohner-Stadt das Beben fürchtet, das seit Ausbruch der Finanzkrise Schaeffler erschüttert. Händler bangen um ihre Umsätze, Vereine um ihren Sponsor, die Menschen um ihren Job, und der Bürgermeister bangt um einen großen Gewerbesteuerzahler.

Um den Schaden gering zu halten, sehen die Herzogenauracher nur einen Ausweg: Schaeffler braucht Staatshilfen. Dringend. Daher reist heute eine Gruppe von Lokalpolitikern, allen voran Bürgermeister German Hacker, nach Berlin, um die Bundesregierung davon zu überzeugen.

Seite 1:

Wie Herzogenaurach mit Frau Schaeffler zittert

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%