Schaeffler-Übernahmeversuch
Conti-Chef attackiert Banken

Die Banken hätten der Schaeffler-Gruppe geholfen, sich an Conti anzuschleichen, sagt der Chef des Übernahmekandidaten, Manfred Wennemer. Das sei kein Fairplay. Gleichzeitig erneuert er sein Gesprächsangebot an Maria-Elisabeth Schaeffler.

HB FRANKFURT. Hart ins Gericht geht Wennemer mit den Banken: "Alle neun Banken, über die die Schaeffler-Gruppe die Aktien gekauft hat, müssen sich vorhalten lassen, wie sie sich verhalten haben", zitiert die "FAS" den Continental-Chef. "Ohne Banken hätte sich Schaeffler so nicht an Conti anschleichen können", sagte Wennemer dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einer Vorabmeldung. Dieses Vorgehen sei mit seinem Verständnis von Fairplay nicht vereinbar. Gleichwohl zeigte er sich zuversichtlich, dass der Autozulieferer aus der Übernahmeschlacht mit dem fränkischen Familienunternehmen als Sieger hervorgehen werde.

"Wir haben wirklich gute Chancen zu gewinnen", sagte der Conti-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" einer Vorabmeldung zufolge. "Es wäre schlimm, wenn jemand durch die Hintertür die Früchte dessen erntet, was wir über viele Jahre gesät haben."

Drastische Abwehrmaßnahmen, sogenannte Giftpillen, lehnte er aber ab: "Wir werden nichts tun, was nicht im Interesse unserer Mitarbeiter, unserer Kunden und unserer Eigentümer ist", sagte der Konzernchef der "Welt am Sonntag". "Giftpillen" werden üblicherweise eingesetzt, um eine Übernahme etwa durch eigene Zukäufe deutlich zu verteuern oder durch den Verkauf von wertvollen Geschäftseinheiten unattraktiv werden zu lassen.

Wennemer widersprach Vermutungen, der Aufsichtsrat unterstütze seine Abwehrstrategie nicht. "Ich gehe fest davon aus, dass wir am kommenden Mittwoch von unserem Aufsichtsrat eine klare Stellungnahme haben", sagte Wennemer dem Blatt. Generell habe er nichts gegen einen langfristigen Investor wie die Familie Schaeffler. "Deshalb haben wir ja angeboten, eine Beteiligung von 20 Prozenten unserer Aktien zu unterstützen. Ich appelliere nachdrücklich an Frau Schaeffler, ob es nicht einen vernünftigen Weg gibt", erklärte er.

Wennemer sprach sich aber weiterhin gegen eine Kontrollmehrheit von mehr als 30 Prozent aus, wie das von Maria-Elisabeth Schaeffler geführte Herzogenauracher Familienunternehmen sie anstrebt. Wenn ein Investor meine, er könne sich die Stimmrechtsmehrheit auf "rechtswidrige Weise" beschaffen und die restlichen Aktionäre massiv benachteiligen, dann sei der Vorstand verpflichtet zu handeln, sagte er der WamS.

Derweil wies Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Forderungen zurück, Unternehmen in Deutschland besser vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Das bereits beschlossene, aber noch nicht in Kraft getretene Risikoabgrenzungsgesetz reiche aus: "Ich kann doch nicht ein Gesetz wegen eines Einzelfalles ändern", sagte er der "WamS".

Dagegen forderte der IG Metall-Vize Detlef Wetzel den Gesetzgeber auf, Schlupflöcher zu schließen, wenn ein Unternehmen diese ausnutze. Der "Neuen Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (NRZ) sagte Wetzel: "Die Art und Weise des Vorgehens ist bedenklich und gleicht einer feindlichen Übernahme." Er äußerte Zweifel an den Fähigkeiten der Schaeffler-Gruppe, einen weltweiten Konzern in der Größenordnung von Conti zukunftsfähig zu führen.

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