Schäuble kritisiert VW-Boni „Ich habe kein Verständnis dafür“

Finanzminister Schäuble hat die Millionen-Boni für Volkswagen-Manager inmitten des Abgasskandal kritisiert. Er habe kein Verständnis dafür. Die Zahlungen zeigten, dass im Konzern „etwas nicht funktioniert“.
Volkswagen-CEO Matthias Müller gab den Medienvertretern reichlich Interviews nach der Bilanzpresse-Konferenz am Donnerstag. Quelle: Reuters
Volkswagen-CEO Matthias Müller

Volkswagen-CEO Matthias Müller gab den Medienvertretern reichlich Interviews nach der Bilanzpresse-Konferenz am Donnerstag.

(Foto: Reuters)

FrankfurtIn der Debatte über Millionen-Bonuszahlungen für VW -Manager inmitten des Abgasskandal hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Führung des Wolfsburger Konzerns kritisiert. „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn man ein großes Dax-Unternehmen erst in eine existenzbedrohende Krise führt und dann in einer öffentlichen Debatte die eigenen Boni verteidigt“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Das zeigt, dass etwas nicht funktioniert.“

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh stellt auch Sonderzahlungen für Aufsichtsräte auf den Prüfstand: "Wenn wir wieder einen normalen Geschäftsverlauf haben, sollten wir hier über eine Veränderung des Systems nachdenken", sagte er der "Welt am Sonntag". Allerdings wäre ein Wechsel zu einer fixen Aufsichtsratsvergütung ein falsches Signal.

Das verdient der VW-Vorstand
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Insgesamt 63,2 Millionen Euro hat Volkswagen im Geschäftsjahr 2015 an den Vorstand ausgeschüttet. Nicht nur aktuelle Vorstände sind unter den Spitzenverdienern...

Matthias Müller - 4,17 Millionen Euro
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Seine ersten Monate an der Konzernspitze war für Matthias Müller sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig. Im Vergleich zu seinen Vorgängern verdiente er in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 deutlich weniger. Seine Vergütung setzt sich zusammen aus einem Festgehalt von etwa 1,11 Million Euro und einem Bonus von 2,77 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Versorgungsaufwand von etwa 300.000 Euro. Im September hatte er Martin Winterkorn an der Konzernspitze abgelöst.

Herbert Diess - 7,12 Millionen Euro
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Der Königstransfer hat sich seinen Wechsel von München nach Wolfsburg gut bezahlen lassen. In seinem ersten halben Jahr in Diensten von VW hat der ehemalige BMW-Spitzenmanager Diess mehr verdient als Konzernchef Müller. Zu seinem Fixgehalt von rund 5,7 Millionen kommt ein Versorgungsaufwand von 312.000 Euro und ein Bonus von 1,13 Millionen Euro. In der Vergütung enthalten ist allerdings eine Wechselprämie von 5 Millionen Euro.

Francisco Garcia Sanz - 4,36 Millionen Euro
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Der alte Hase im VW-Vorstand verdient deutlich weniger als im Vorjahr. Der Einkaufchef kassierte im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Fixgehalt von 1,29 Millionen Euro, hinzu kamen Prämien in Höhe von rund 2,26 Millionen Euro und ein Versorgungsaufwand von 816.000 Euro.

Jochem Heizmann - 3,45 Millionen Euro
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Das China-Geschäft zeigt sich vom Dieselskandal absolut unbeeindruckt. Auch an China-Vorstand Jochem Heizmann ist der Skandal spurlos vorbeigegangen. 1,2 Millionen kassiert Heizmann als Fixgehalt, hinzu kommen Bonuszahlungen von etwa 2,25 Millionen Euro.

Andreas Renschler - 14,91 Millionen Euro
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Mit seinem Wechsel von Daimler zu VW überflügelt Lkw-Vorstand Andreas Renschler sogar seinen ehemaligen Boss Dieter Zetsche beim Einkommen. Durch eine Wechselprämie von 11,5 Millionen Euro schießt sein Fixgehalt auf 12,8 Millionen Euro - und das ohne den Januar. Hinzu kommt ein Bonus von 2,06 Millionen Euro. Damit ist Renschler der Spitzenverdiener im VW-Vorstand.

Rupert Stadler - 4,1 Millionen Euro
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Audi ist zwar die Gewinnmaschine von Volkswagen. Doch Audi-Chef Stadler verdient im Vergleich zum Vorjahr allerdings fast drei Millionen Euro weniger. Sein Fixgehalt beläuft sich auf 1,11 Millionen Euro. Hinzu kommt ein Bonus von etwa 2,26 Millionen Euro, plus einem Versorgungsaufwand von 723.000 Euro.

VW drohen durch den Skandal um manipulierte Abgaswerte hohe Strafen und Entschädigungszahlungen. Um einen Boni-Verzicht wurde heftig gerungen, de facto streicht VW seinen Top-Managern nun 30 Prozent ihrer Erfolgsprämien. Bereits am Donnerstag hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, der bei VW im Aufsichtsrat sitzt, kritisiert, dass der Vorstand keiner stärkeren Reduzierung seiner Bezüge zugestimmt habe. Der im September zurückgetretene ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn hat für 2015 laut Geschäftsbericht 7,3 Millionen Euro Gehalt erhalten, davon fast 5,9 Millionen Euro erfolgsabhängige Zahlungen. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller erhielt rund 3,9 Millionen Euro. Er saß als Chef der VW-Tochter Porsche im VW-Vorstand.

Neben der Boni-Diskussion könnte in Zukunft auch ein Personalstreit den Aufsichtsrat beschäftigen. Der drittgrößte VW -Aktionär Katar stößt Eingeweihten zufolge mit seinem Wunsch nach mehr Einfluss im Aufsichtsrat auf erheblichen Widerstand. Das arabische Emirat, das zwei der insgesamt 20 Aufsichtsratsmitglieder stellt, fordere auch einen Sitz im Aufsichtsratspräsidium als innerstem Machtzirkel des Autokonzerns, sagten mehrere mit dem Ansinnen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Begeisterung, das Präsidium zu erweitern, ist gedämpft,“ sagte einer der Insider. Es gebe aber noch keine Entscheidung.

Im Aufsichtsratspräsidium, das alle zentralen Entscheidungen des Konzerns vorbereitet, sitzen bisher sechs Männer: Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch als Vorsitzender, Wolfgang Porsche als Sprecher der Eigentümerfamilie, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der das Land als zweitgrößten Aktionär vertritt, sowie die drei Arbeitnehmervertreter IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Betriebsratschef Bernd Osterloh und dessen Stellvertreter Stephan Wolf. Kein Vertreter der Kapitalvertreter sei bereit, seinen Platz für Katar zu räumen, sagte ein Eingeweihter.

  • rtr
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