Schering-Plough übernimmt Organon
Von Anti-Baby-Pille bis Veterinärmedizin

Anstatt seine Pharma-Tochter Organon an die Börse zu bringen, hat sich der niederländische Pharmakonzern entschieden, die Sparte zu verkaufen. Und zwar an Schering-Plough. Für den US-Konzern bietet der Einstieg neue Möglichkeiten, urteilen Experten.

HB ARNHEM/DEN HAAG. Elf Mrd. Euro nimmt US-Konzern Schering-Plough in die Hand, um die Akzo-Nobel-Tochter Organon Bio-Sciences zu übernehmen. Organon hat im vergangenen Jahr 3,7 Mrd. Euro zum Konzernumsatz von insgesamt 13,7 Mill. Euro beigetragen. Das Unternehmen mit 19 000 Beschäftigten stellt unter anderem Mittel zur Schwangerschaftsverhütung und Psychopharmaka her.

Außerdem gehört der Tierarznei-Produzent Intervet dazu, den Schering-Plough nun mit dem eigenen veterinärmedizinischen Bereich zusammenlegen will. Der US-Konzern sieht in dem Erwerb eine wichtige Ergänzung seiner Aktivitäten sowohl was die Produktpalette betrifft als auch in geografischer Hinsicht.

„Es ist eine wachstumsgetriebene, komplementäre Fusion“, sagte Schering-Plough-Chef Fred Hassan am Montag in einer Telefonkonferenz. Tatsächlich bringen die Niederländer mit ihren Anästhesie- und Hormonpräparaten Therapiegebiete in die Firmenehe ein, mit denen sich der US-Konzern bislang noch nicht beschäftigt. Dabei verfügt Schering-Plough über eine breite Produktpalette, die von Blutdrucksenkern bis zu Krebsmitteln reicht.

Die Entscheidung, Organon nun doch komplett an einen strategischen Investor zu verkaufen kommt für Beobachter überraschend. Noch am Freitag hatte das Unternehmen in London vor Journalisten betont, es führe neben den Vorbereitungen des Börsengangs keine Verkaufsgespräche. Wie sich am Montag herausstellte, stimmte das nicht. Akzo-Chef Hans Wijers sagte in einer Telefonkonferenz, dass er bereits eine Woche zuvor das Mandat erhalten habe, mit Schering-Plough in finale Verkaufsverhandlungen zu treten. „Es wäre aber nicht im Interesse des Unternehmens gewesen, diese Information öffentlich zu machen“, fügte er hinzu.

Wijers Poker hat sich gelohnt: Der Kaufpreis von ungefähr elf Mrd. Euro in bar liegt etwa ein bis zwei Mrd. Euro über dem, was ein vollständiger Börsengang der Pharma-Sparte nach Einschätzung von Analysten eingebracht hätte. Akzo hatte allerdings angekündigt, in einem ersten Schritt nur bis zu 30 Prozent der Anteile an die Börse zu bringen.

Den Erlös aus dem Verkauf will Akzo-Chef Wijers für den Abbau von Schulden und Pensionverpflichtungen und für „strategisch sinnvolle“ Zukäufe einsetzen. Bereits vor diesem Statement legte die Aktie des britischen Chemie- und Farbherstellers ICI kräftig zu. Das Unternehmen gilt wegen seines Produktportfolios als gute Ergänzung für Akzo Nobel. Wijers versuchte jedoch, den Erwartungsdruck etwas zu mindern: „Eine überteuerte Übernahme werden wir nicht machen.“

Eigentlich hatten die Branchenexperten heute den Börsenprospekt von Organon erwartet. Der seit langem angekündigte Börsengang der Akzo-Nobel-Tochter ist jedoch mit dem jetzigen Verkauf vom Tisch. Der Aktienkurs von Akzo Nobel in Amsterdam stieg am Morgen um 16 Prozent.

Akzo Nobel will sich künftig auf seine Rolle als Chemie- und Farbenproduzent konzentrieren. Wegen mangelnder Synergien wollte sich das Unternehmen schon seit langem von seinem Pharmabereich trennen. Dazu war zunächst auch der komplette Verkauf erwogen worden. Doch zuletzt plante Akzo Nobel, die Tochterfirma über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren schrittweise an die Börse zu bringen. Analysten rechneten damit, dass das dem Mutterkonzern neun bis zehn Mrd. Euro einbringen würde. Am Sonntag entschied sich der Konzernvorstand nach diesen Angaben, das verbindliche Kaufgebot von Schering-Plough anzunehmen. Der Besitzwechsel soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.

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