Schering-Übernahme
Bayer stellt tausende Stellen in Frage

Die Freude über das Übernahmeangebot von Bayer für Schering dürfte sich nur auf die Führungsetagen beschränken. Die Mitarbeiter werden unter einer Fusion leiden müssen. Bayer rechnet mit dem Wegfall von 6&nbsp000 Stellen insgesamt. Käme Merck doch noch zum Zug, dürfte es für die Mitarbeiter glimpflicher ausgehen.

HB BERLIN. Die Größenordnung von 6 000 Stellen ergebe sich als Erfahrungswert, sagte Bayer-Chef Werner Wenning am Freitag bei einer Analystenkonferenz. Das Synergiepotenzial liege bei etwa 10 Prozent der in diesem Segment beschäftigten Mitarbeiter. Wie viele Arbeitsplätze in Deutschland betroffen seien werden, sagte er nicht. Nach seinen Angaben wird sich der Personalabbau über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstrecken. Wenning schloss betriebsbedingte Kündigungen dabei nicht aus.

Am Donnerstag hatte der Chemie- und Pharmakonzern angekündigt, für insgesamt 16,3 Mrd. Euro übernehmen zu wollen. Bayer übertrumpft damit die 14,6 Mrd. Euro Euro schwere feindliche Offerte von Merck um 12 Prozent. Es ist die größten Übernahme in der Bayer-Firmengeschichte. Der Schering-Vorstand hat seinen Aktionären bereits die Annahme des Bayer-Angebots empfohlen.

Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen sagte am Freitag in einer Telefonkonferenz in Berlin: "Ich kenne keine konkreten Zahlen von Arbeitsplätzen." Beide Unternehmen, Bayer und Schering, hätten jedoch "hohe soziale Standards". Wo die angepeilten Einsparungen von 700 Mill. Euro erzielt werden, werde letztlich vom neuen Management entschieden. Ob er diesem angehören wird, ließ Erlen offen.

Auch Merck hatte nach einem unbestätigten Zeitungsbericht geplant, tausende Stellen zu streichen. Mit genannten 4 000 Arbeitsplätzen wäre dieser Abbau aber glimpflicher ausgefallen. Mehr als die Hälfte der Stellen sollten im Ausland abgebaut werden, hatter "Der Tagesspiegel" unter Berufung auf mit den internen Planungen vertraute Branchenkreise am 15. März berichtet. Der Stellenabbau sollte sich demnach über drei Jahre hinziehen und vor allem durch natürliche Fluktuation erfolgen. Eine Merck-Sprecherin hatte eine Stellungnahme zu dem Bericht abgelehnt. Für Angaben zu dem Thema sei es noch zu früh.

Schering-Chef Erlen hatte das Bayer-Übernahmeangebot als "äußerst attraktiv" bezeichnet. "Und deshalb unterstützt der Vorstand dieses Angebot", sagte er mehreren Fernsehsendern am Freitagmorgen. Nach der ersten Offerte des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck habe Schering deutlich gemacht, "dass wir gerne eigenständig bleiben wollen", sagte er. Angesichts des guten Angebots des Pharmakonzerns Bayer sei dies aber unmöglich. Beide Unternehmen wollten ein spezialisiertes Unternehmen mit gemeinsamer strategischer Ausrichtung schaffen.

Den Umsatz des neuen Pharmariesen bezifferte Erlen auf rund neun Mrd. Euro. Besonderer Erfolg der Verhandlungen sei, dass der Sitz der Pharmabereich in Berlin sein werde. Die Hauptstadt werde für das neue Unternehmen auch ein wichtiges Forschungszentrum sein. Das neue Unternehmen werde gemeinsam von Führungskräften von Schering und Bayer geleitet.

Schering hat nach Worten von Erlen erst am 13. März - einen Tag nach Bekannwerden des Merck-Angebots - Verhandlungen mit Bayer über eine mögliche Fusion aufgenommen. Davor habe es keine Gespräche mit Bayer über ein gemeinsames Unternehmen gegeben, sagte Erlen vor Journalisten in Berlin.

Um den Kauf zu finanzieren, plant Bayer, sich von Unternehmen aus seiner Sparte Material Science zu trennen. Darin ist das Geschäft mit Kunststoffen und Chemikalien gebündelt. So steht nun H.C. Starck zum Verkauf bis Jahresende. Ebenfalls zur Disposition steht Wolff Walsrode.

Die H.C. Starck GmbH aus Goslar ist ein global agierendes Unternehmen, das Bauteile und Werkstoffe - vor allem Sondermetalle - für verschiedene Industrien wie die Elektronik-, Optik-, Luft- und Raumfahrttechnik liefert und mit 3 200 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von 920 Mill. Euro erwirtschaftet. Die Wolff Walsrode AG ist auf dem Gebiet der Zellulose-Chemie tätig und gehört zu den weltweit führenden Anbietern. Sie beschäftigt 1 200 Mitarbeiter und erzielte 2005 einen Umsatz von 330 Mill. Euro.

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