Schering-Übernahme
Merck behindert Bayer

Die Darmstädter Merck-Gruppe legt der geplanten Übernahme von Schering durch den Leverkusener Bayer-Konzern allem Anschein nach Steine in den Weg. Gleich mehrfach erhöhte Merck seinen Anteil an Schering - auf nunmehr ein Zehntel. Die Aktien fehlen Bayer. Der Milliardenkauf läuft auch schon ohne die Querschüsse schleppend.

HB/hof FRANKFURT. Erst am Donnerstag bestätigte Merck, man habe den Anteil an Schering Anfang Juni von knapp unter 5 Prozent auf etwas mehr als 6 Prozent erhöht. Nun wird durch eine Einreichung an die US-Börsenaufsicht publik, dass Merck sich bis zum gleichen Tage sogar 10,1 Prozent der Anteile gesichert hat.

Branchenexperten interpretieren dieses Manöver als Versuch von Merck, die Annahme-Quote für die Bayer-Offerte zu drücken und auf einen möglichst hohen Minderheiten-Anteil an der künftigen Bayer Schering Pharma AG hinzuwirken. Um die Minderheitseigner später abzufinden, muss Bayer nach Einschätzung mancher Analysten später womöglich tiefer in die Tasche greifen als beim offiziellen Übernahmeangebot in Höhe von 86 Euro je Schering-Aktie. Für die Aktien, die Merck nun eingekauft hat, zahlte das Unternehmen zwischen 85,40 und 85,79 Euro.

Mit seiner - von Schering unterstützten - Offerte hatte der Leverkusener Konzern Ende März ein feindliches Angebot von Merck übertrumpft. Die Bayer-Offerte, die an eine Mindestannahme-Quote von 75 Prozent geknüpft ist, läuft noch bis einschließlich 14. Juni. "Merck geht daher mit dem Zukauf weiterer Anteile nur geringe Risiken ein", meint Pharma-Analyst Oliver Kämmerer von der WestLB.

Bayer selbst rechnet nach Angaben ihres Finanzvorstands Klaus Kühn nicht damit, dass Merck dem Unternehmen die Aktien verkaufen wird. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Merck-Gruppe uns ihre Aktien nicht andient", sagte Bayer-Finanzvorstand Klaus Kühn der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe).

Merck wollte sich am Donnerstag zu den Gründen für den Kauf von weiteren Anteilen nicht äußern. Externe Beobachter sehen ein mögliches Motiv für die Darmstädter darin, Hedge-Fonds zu ermutigen, in gewissem Umfang Minderheitsanteile an Schering zu halten. "Möglicherweise will Merck auf diese Weise nach außen signalisieren, dass man einen höheren Wert als 86 Euro in der Schering-Aktie sieht", sagte Martin Brunninger von der britischen Investmentbank Cazenove, die überwiegend in der Beratung von Hedge-Fonds aktiv ist. Merck hatte zuvor lediglich 77 Euro je Schering-Aktie geboten und war nicht bereit, diese Offerte weiter aufzustocken.

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