Ob er in seinem neuen Konglomerat mit über 50 Firmen nicht den Überblick verliere? "Ich muss gar nicht wissen, wie viel Unternehmen ich habe", sagt er lapidar. Wichtig sei nur, dass er die Richtung vorgebe - Innovation. "Der größte Fehler, den ein Manager machen kann, ist es, sein Unternehmen nicht mehr zu Innovationen anzuspornen", sagt Schimmelbusch. Das bedeute, Risiken einzugehen. "Aber in Deutschland gelten Risiken grundsätzlich als etwas Schlechtes."
Unweigerlich kommt einem dabei der nie ganz gelöste Streit über das Risikomanagement der MG in den Sinn. Als Ende 1993 der Ölpreis fiel und fiel, kam der Konzern in die Liquiditätskrise. Nach nur zwei Wochen feuerte Großaktionär Deutsche Schimmelbusch. Bald waren 7 500 Jobs futsch.
Schimmelbusch ist sicher: Hätte man ihm damals nur vertraut, wäre alles gutgegangen. Das sieht übrigens auch Wirtschaftsnobelpreisträger Merton Miller so: Hätte Ronaldo Schmitz, damals Deutsche-Bank-Vorstand und MG-Aufsichtsratschef, nicht in Panik die Termingeschäfte aufgelöst, sagt Miller, wäre aus den Buchverlusten der MG nie ein realer 1,2-Milliarden-Euro-Verlust geworden. Schimmelbusch spricht nur, mit ein wenig Sarkasmus in der Stimme, vom "intellektuellen Risiko" eines Managers. Soll heißen: der Gefahr, dass der Aufsichtsrat nichts vom Geschäft versteht.
Dass er mit seiner Mini-Metallgesellschaft noch einmal wie 1991 zum "Manager des Jahres" gekürt wird, das glaubt er nicht. "Obwohl - die AMG ist schon etwas", sinniert er. Regelmäßig pendelt "Schibu" zwischen Frankfurt und den USA hin und her. "Die langen Flüge machen mir nichts aus, da habe ich viel Zeit zum Nachdenken." Etwa über seine Memoiren: "Es wird zwei Bände geben, der zweite kommt zuerst und beginnt 1994." Das ist das Jahr, in dem er seine zweite Karriere startete. Den ersten Band über die MG, wo 1973 seine Karriere begann, werde er erst "posthum" veröffentlichen, sagt er mit einem Schuss Humor, bei dem man nie weiß, wie ernst seine Äußerungen gemeint sind.
Mitarbeit: D. Fockenbrock, Düsseldorf

