Schicht gestrichen, Einstellungsstopp
VW muss auf die Bremse treten

Volkswagen diskutiert über Personalfragen – und leitet Sparmaßnahmen ein. In einem Motorenwerk wird eine Schicht gestrichen, die Finanztochter stellt vorerst keine Mitarbeiter mehr ein. Die Belegschaft ist verunsichert.
  • 10

WolfsburgIn der Krise zeigt sich VW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies demonstrativ solidarisch mit dem in Schieflage geratenen Wolfsburger Weltkonzern. „Keep calm and love VW“, heißt es auf dem Profilfoto des WhatsApp-Kontos von Niedersachsens Wirtschaftsminister – Ruhe bewahren und VW schätzen. Hehre Worte, denn genau das fällt Millionen von Autobesitzern beim skeptischen Blick unter die Motorhaube ihres Volkswagens zur Zeit etwas schwer.

Auch die weltweit 600.000 Mitarbeiter dürften sich fragen, wie es weitergeht. Denn im Skandal um manipulierte Abgas-Messwerte droht Ungemach von allen Seiten – mit ersten Konsequenzen für Produktion und Jobs.

Im Motorenwerk Salzgitter wurde erstmals die Produktion zurückgefahren, die Finanztochter Volkswagen Financial Services in Braunschweig verhängte bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp. Man habe vorsorglich eine bereits vor längerer Zeit vereinbarte Sonderschicht pro Woche in der Motorenfertigung in Salzgitter abgesagt, erläuterte ein Sprecher. Über Auswirkungen der Abgas-Manipulation auf das Geschäft der Finanztochter machte VW keine Angaben. Ein Insider aus dem Fahrzeughandel sagte, es gebe derzeit keine Hinweise, dass die Restwerte von verleasten Fahrzeugen massiv sänken.

Der mächtige VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte bereits davor, die Mitarbeiter dürften am Ende nicht die Zeche für das zahlen, was Manager angerichtet hätten. Zur Stimmung in der Belegschaft sagte er der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“: „Es gibt Angst, Verunsicherung, aber auch Wut und völliges Unverständnis, wie so etwas geschehen konnte.“

Zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals ist das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen am Mittwoch zu einer erneuten Krisensitzung zusammengekommen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen. Dabei will das Gremium unter anderem über einen Zwischenbericht der internen Revision zu der Affäre sprechen.

Es geht aber auch um wichtige Personalfragen. Nach dpa-Informationen gehen die Meinungen innerhalb des fünfköpfigen Gremiums zur Zukunft des bisherigen VW-Finanzchefs Hans Dieter Pötsch auseinander. Während die Anteilseigner-Familien Porsche und Piëch - vertreten im Gremium durch Wolfgang Porsche - dem Vernehmen nach weiter an Pötsch als Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates festhalten, gibt es beim Land Niedersachsen offenbar wieder Klärungsbedarf.

Bei den Beratungen dürfte es daher vor allem auf die Positionierung des Interims-Vorsitzenden des Gremiums, den früheren IG-Metallchef Berthold Huber, ankommen. Aber auch Osterloh und sein Vertreter Stefan Wolf haben in den Beratungen ein Wort mitzureden. Die Nachfolge von Piëch schiebt das Gremium bereits seit dem Frühjahr vor sich her. Der VW-Patriarch Piëch hatte damals einen internen Machtkampf mit dem über die Abgas-Affäre gestolperten VW-Chef Martin Winterkorn verloren und war zurückgetreten.

Seite 1:

VW muss auf die Bremse treten

Seite 2:

Betriebsversammlung mit Spannung erwartet

Kommentare zu " Schicht gestrichen, Einstellungsstopp: VW muss auf die Bremse treten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dieselgate - "Fake in Germany
    -----------------------
    Die ersten Auswirkungen machen sich schon bemerkbar.
    In Salzgitter wird eine Schicht gestrichen, Vorstände werden beurlaubt (natürlich bei Weiterzahlung ihrer Bezüge) und die Mitarbeiter haben Angst um ihren Job.
    Dieselfahrzeuge verkaufen sich nur noch wie Sauerbier, wer will schon ein Umweltverschmutzer sein?
    Die Werbung mit "Clean Diesel" wurde zurückgezogen.
    Spanien und Frankreich fordern die Rückzahlung von Subventionen.
    Das wird richtig teuer für den VEB KDF.

  • Es ist gar nicht so lange her als Schaeffler Debakel mit Continental Übernahme die Schlagzeilen machte. Die Milliarderin Maria Elisabeth Schaeffler verkündete in den firmeninternen Medien, dass Niemand braucht es sich zu füchtern. Was aber kam, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Mobbing, Entlassugen, Änderungsverträge und drastische Gehaltskürzungen bis zu 60%. Aber nur bei den kleinen Angestellten. Die Herren mit den weissen Köpfen durften erst mal weiter manipulieren. Während die "Listige Witwe" heute auf über 25Milliarden Euro sitzt, wissen wir nicht wovon wir unser Lebensunterhalt bezahlen sollen. Die Politik schaut untätig zu, wie auch die Gewerkschftsbosse. Man kann nur hoffen, dass den VW-Mitarbeitern ein solches Los erspart bleibt. Ich bete für VW und den Rest.

  • >> VW muss auf die Bremse treten >>

    Richtig, bevor man stehen bleibt, muss man auf die Bremse treten !

    Und VW wird stehen bleiben.......für immer !

    Bei 260 Mrd. € Schulden, nur 90 Mrd. € Eigenkapital, dass täglich weiter schrumpft, bei einbrechendem Absatz und zu erwarteten Schadensersatzzahlungen.....kann VEB-VOLKSWAGEN nur noch in die Pleite Schlingern !

    Wofür haben die Genossen bei dem Laden dem Boni-König Deutschlands die Bonis gezahlt....?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%