Schienenkartell
Voestalpine muss um Kronzeugenstatus bangen

Der Stahlkonzern Voestalpine muss um seine Befreiung von einer millionenschweren Strafe wegen Absprachen auf dem deutschen Eisenbahnmarkt bangen.
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DüsseldorfAnders als bislang dargestellt wurden die Ermittlungen gegen das Schienenkartell, an dem Voestalpine beteiligt war, nicht von den Österreichern ausgelöst. Schon vorher habe es eine anonyme Anzeige eines Ex-Mitarbeiters gegeben, wie das Handelsblatt (Montagausgabe) aus informierten Kreisen erfuhr. Hinzu kommt, dass es laut Kartellteilnehmern nicht nur bei Schienen Preisabsprachen gegeben haben soll, sondern auch bei Weichen. Erhärtet sich dieser Verdacht, dann hätte Voestalpine die Behörden nicht vollumfänglich über den Umfang des Eisenbahnkartells informiert.

Der Konzern hatte Anfang des Monats erklärt, dass die Ermittlungen der Behörden durch Hinweise des Konzerns in Gang gebracht worden waren. Als Kronzeuge des Bundeskartellamts hofft das Industrieunternehmen auf eine Befreiung von dem drohenden Bußgeld, das sich bei einer Verurteilung auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren könnte. Voestalpine hatte zusammen mit Thyssen-Krupp und anderen Firmen seit mindestens 1998 Preise und Mengen auf dem deutschen Schienenmarkt abgesprochen. Geschädigte wurde vor allem die Deutsche Bahn, die über 80 Prozent des deutschen Schienenbedarfs ausmacht.

Um als Kronzeuge zu gelten, muss eine Firma umfassend mit den Behörden kooperieren. Werden Details oder andere Kartelle verheimlicht, dann fällt der Status, wie ein Kartellamtssprecher ohne Bezug zum Schienenkartell sagte. Dies könnte im Fall Voestalpine geschehen sein. Nach Angaben von zwei Personen, die Mitglieder im Klub der „Schienenfreunde“ waren, erstreckten sich die Absprachen auch auf das Weichengeschäft. „Dieses Kartell wurde nicht bei den Behörden angezeigt“, sagte einer der Schienenfreunde dem Handelsblatt.

Voestalpine ist Weltmarktführer in dem Geschäft. Gerade bei Weichen für Hochgeschwindigkeitsstrecken geht nichts ohne die Österreicher. Eine dieser Anlagen kostet bis zu einer halben Millionen Euro, der jährliche Bedarf der Bahn soll bei 1000 bis 2000 Weichen liegen. Voestalpine hat nach eigenen Angaben keine Angaben über Preisabsprachen bei Weichen. Die Bahn lehnte einen Kommentar dazu ab.

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