
DÜSSELDORF. Vom Heiligen See in Potsdam bis nach Radolfzell am Bodensee sind es 757 Kilometer. Auf der schnellsten Route. Diesen Weg wird Mode-Maestro Wolfgang Joop in Zukunft öfter zurücklegen müssen - zumindest, wenn seine Pläne aufgehen. Und die von Volker Grub, Insolvenzverwalter des Pleite-Feinrippherstellers Schiesser. Joop Schiesser übernehmen und dafür rund 80 Mio. Euro auf den Tisch legen. Das Geld stammt zum Teil auch aus seinem Privatvermögen.
Grub, der beim insolventen Unterwäschehersteller derzeit das Sagen hat, unterstützt das. Zumindest, wenn der alternde Mode-Zar das Unternehmen anschließend an die Börse bringt. "Das finanzielle Ergebnis für Schiesser wäre deutlich höher als einfach nur beim Verkauf an einen Investor", sagte Grub dem Handelsblatt. "Ein Börsengang ist eine elegante Lösung."
Rettungspaket mit Schönheitsfehler
Die passende Geschichte, um Investoren an den Märkten zu beeindrucken, hat sich das Duo schon überlegt. Er könne sich vorstellen, "mehr zu machen als nur Unterwäsche", sagte Grub. Oberbekleidung, Freizeitmode, Damenmode - vieles scheint denkbar. Hier ist Schiesser derzeit quasi inexistent.
Das Rettungspaket, das Grub und Joop sich gebastelt haben, hat bislang nur einen kleinen Schönheitsfehler: Noch ist nicht final über die Zukunft des Unternehmens entschieden. Zwei weitere Investoren sind im Rennen. Zumindest noch bis kommenden Montag, dann tagt am Nachmittag die Gläubigerversammlung. Am Dienstag will Grub sein endgültiges Konzept der Öffentlichkeit präsentieren. Wie das aussehen soll, ist aber jetzt schon klar - ginge es alleine nach ihm und seinem Kompagnon aus Potsdam.
Joop strebt eine Minderheitsbeteiligung an. Allerdings will er weder persönlich in die Geschäftsführung noch den Aufsichtsrat einziehen. Stattdessen will er Berater für den Marken- und Modeauftritt sein. Aber ist Joop der richtige Mann für die Wiederbelebung des Traditionsherstellers?
Joop, der sich schon als Designer von Stützstrümpfen, Hobbykoch, und Buchautor verdingt hat, ist erst Anfang Juni als Geschäftsführer seines Labels Wunderkind zurückgetreten. Jetzt sucht er ein neues Betätigungsfeld.
Wann der gemeinsam geplante Börsengang kommen soll, ließ der Insolvenzverwalter offen. Für denkbar hält er sowohl eine Notierung bis Ende des Jahres als auch erst im Frühjahr 2011.