Schifffahrt
Captain Wei sieht Licht am Ende des Tunnels

Ein Silberstreif am Horizont: Experten sagen einem Teil der Schifffahrtsbranche eine Stabilisierung des Marktes für die zweite Hälfte dieses Jahres voraus. Vor allem in Asien hellt sich die Stimmung auf. Captain Wei Jiafu, Chef des chinesischen Schifffahrts-Giganten COSCO, hat vor allem für den Markt von Schüttgutfrachtern wieder Hoffnung.

DÜSSELDORF. Ganz neue Töne sind da aus der Schifffahrt zu hören. Klagt die Branche seit Monaten auf breiter Bank über fallende Raten und eine der schlimmsten Krisen, die die Schifffahrt bislang erlebt hat, keimt zumindest in Asien langsam wieder Optimismus auf – vor allem wenn es um Schüttgüter geht. Der renommierte taiwanesische Reeder Nobu Su sagte der Branchenzeitung Lloyds List mit Blick auf steigende Frachtraten für Bulk Carrier (Schüttgutfrachter): „Ich denke, wir erholen uns wieder, und das ist sehr, sehr wichtig für die Weltwirtschaft.“ Su hat Konsequenzen gezogen und bereits 50 Bulk Carrier gechartert. „Es gibt wieder mehr Fracht, also chartern wir wieder mehr Schiffe.“

Der Inhaber des Schifffahrtsunternehmens Today Makes Tomorrow (TMT) baut offenbar nicht auf falschen Hoffnungen. Zumindest teilt einer der namhaftesten Vertreter in der Schifffahrt durchaus Sus Meinung. Captain Wei Jiafu, Chef der größten chinesischen Schifffahrtsgesellschaft China Ocean Shipping (COSCO), erwartet eine Erholung des Schüttgutmarktes in der zweiten Hälfte dieses Jahres, wie er in einem Interview mit Lloyds List sagte.

Nach Weis Meinung werden die weltweit verabschiedeten Konjunkturpakete die Nachfrage spürbar ankurbeln. Der Markt mit Schüttgut-Transportern werde besonders von dem auf Infrastrukturprojekte konzentrierten chinesischen Konjunkturprogramm profitieren. Auch in der japanischen Schifffahrt kommt zumindest teilweise wieder Hoffnung auf. „Die Weltwirtschaft hat den Boden erreicht“, sagt Osuke Itazaki, Analyst von Credit Suisse, in Tokio der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Zeit des überzogenen Pessimismus sei vorbei.

Dieser Ansicht sind offenbar auch die Anleger. Papiere von Japans drittgrößter Linienreederei Kawasaki Kisen Kaisha (K-Line) legten an der Tokioter Börse zeitweise um 11 Prozent zu. Selbst für die arg von sinkenden Charterraten gebeutelte Containerschifffahrt gibt es wieder positive Ausblicke. Goldman Sachs hat sein Rating für die asiatische Containerschifffahrt von „cautious“ auf „neutral“ angehoben. Neptune Orient Lines (NOL) verbesserte sich im Rating von „sell“ auf „neutral“.

Im Rest der Welt ist der aufkeimende Optimismus aus Asien noch nicht wirklich angekommen. Auf einer Konferenz der Connecticut Maritime Association gingen laut einer Umfrage unter Schifffahrtsmanagern 78 Prozent davon aus, dass die Containerschifffahrt das Schlimmste noch vor sich hat.

So sieht das wohl auch Ottmar Gast, Chef von Deutschlands zweitgrößter Linienreederei Hamburg Süd. In einem Gespräch mit Lloyds List warnte Gast die Schifffahrt vor falschen Optimismus. Vielmehr müssten sich die Gesellschaft noch auf schlimmere Zeiten einstellen. Es sei angesichts der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg schlicht unseriös, für die zweite Hälfte dieses Jahres bereits eine Erholung vorherzusagen.

Gleichwohl mehren sich die positiven Stimmen. Der Schifffahrtsdienstleister TBS weiß zwar auch nicht, wann die Krise enden wird, aber: "Das Frachtvolumen steigt wieder und wir sind zuversichtlich, dass dies bald auch wieder für die Charterraten gelten wird", so TBS Joseph Royce. Der TBS-Chef erwartet für die zweite Hälfte dieses Jahres eine Stabilisierung des Marktes. "Wir sind vorsichtig optimistisch", sagt Royce.

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