Schifffahrt
Nordseewerke: Große Wut und stille Trauer

Eine Tradition geht zu Ende. Der Schiffbau der Nordseewerke in Emden steht vor dem Aus. Der Eigner Thyssen-Krupp gibt den größten Teil des Werkes an den Windkraftanlagenhersteller Siag Schaaf ab. Gewerkschaft und Mitarbeiter sind entsetzt und protestieren. Aber die Entscheidung des Werftenverbundes ist wohl unumkehrbar.

HB HAMBURG. Der Werftenverbund ThyssenKrupp Marine Systems zieht sich weitgehend aus dem Handelsschiffbau zurück und konzentriert sich auf Marineschiffe und U-Boote. Dazu verkauft TKMS die vor über 100 Jahren gegründeten Emder Nordseewerke an den Windkraftanlagenhersteller Siag Schaaf Industrie AG (Dernbach). Der geplante Verkauf von HDW-Produktionsanlagen im zivilen Schiffbau in Kiel ist vorerst ausgesetzt, wie aus einer TKMS-Mitteilung vom Dienstag hervorgeht. Bei Blohm + Voss in Hamburg - Yachtbau- und Reparaturwerft - gibt es zunächst keine Veränderungen, es wird seit längerem ein Investor gesucht. Das ist die Bilanz einer Aufsichtsratssitzung vom Montag in Hamburg.

Die IG Metall hatte über die Entscheidung des Aufsichtsrates bereits am späten Montagabend berichtet und diese scharf kritisiert.Über einen möglichen Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. Bisher wurden in den Nordseewerken Handelsschiffe und Kriegsschiffe gebaut. Der Handelsschiffbau ist wegen der Wirtschaftskrise zusammengebrochen. Den Bau von Kriegsschiffen will ThyssenKrupp an den Werftenstandorten Kiel und Hamburg bündeln.

Aus Protest gegen das geplante Ende des Schiffbaus sollen die Tore der Nordseewerke Emden am Dienstag geschlossen bleiben. "Die Tore sind zu, es wird heute nicht gearbeitet", sagte Frank Grabbert von der IG Metall Emden. Hunderte Arbeiter hätten sich vor dem Gelände versammelt. Gegen 12.00 Uhr werde dort der Vorsitzende des Thyssen-Krupp-Konzernbetriebsrats, Thomas Schlenz, erwartet. Die Entscheidung des Aufsichtsrates des Werftenverbundes ThyssenKrupp Marine Systems, die Nordseewerke an den Windanlagenhersteller Siag Schaaf zu verkaufen, habe bei den Arbeitern "teilweise große Wut, aber auch stille Trauer" ausgelöst.

In Emden versammelten sich am Dienstagvormittag hunderte Menschen vor der Schiffsschmiede zu Protesten. Bauern zeigten mit einem Traktorkonvoi und Hupkonzerten ihre Solidarität.

Das geplante Aus für den Schiffbau der Nordseewerke Emden ist nach Aussage der Stadt eine "Riesenenttäuschung". "Im Moment ist es für mich noch gar nicht vorstellbar, dass es diese Werft nicht mehr geben soll", sagte Stadtsprecher Eduard Dinkela am Dienstag. "Es geht eine Tradition verloren", sagte Dinkela. "Für uns ist die Entscheidung aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht nachvollziehbar."

Thyssen-Krupp hat in Deutschland drei Werftstandorte: Emden (Nordseewerke), Kiel (HDW) und Hamburg (Blohm & Voss). An allen drei Standorten baut der Konzern sowohl Marineschiffe als auch zivile Schiffe. Letztere sind für TKMS, wie für andere Werften auch, im Zuge der Wirtschaftskrise zu einem großen Problem geworden. Weil der Welthandel stark abgeflaut ist und die Frachtraten dramatisch gesunken sind, ist die Nachfrage nach Containerschiffen, wie der Thyssen-Werftenverbund sie baut, dramatisch eingebrochen.

Wegen der Unterauslastung hat der Werftenverbund, der an den drei Standorten in Norddeutschland mehr als 5.000 Menschen beschäftigt, jetzt rund 1.000 Mitarbeiter zu viel an Bord.

Wie der Konzern mitteilte, wurde über die Zukunft der Kieler Werft HDW noch nicht im Aufsichtsrat entschieden. Die IG Metall kritisierte die Entscheidung zu Emden. Im Aufsichtsrat hätten die Arbeitnehmervertreter dagegen gestimmt. Nach Ansicht der Gewerkschaft wird Thyssen Marine Systems-Krupp mit dem Umbau zu einem nahezu reinen Rüstungskonzern. Der Betrieb baut alle großen deutschen Kriegsschiffe.

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