Schifffahrt
Reeder geraten in schwere See

Leere Containerschiffe dümpeln vor den Häfen, Charterraten und Ladungsmengen brechen ein - die Märkte werden sich kaum vor 2010 erholen. Nur die Linienreeder sind noch im Plus. Warum in der Logistikbranche dennoch die Zuversicht überwiegt.

DÜSSELDORF. "Es ist gespenstisch, ein völlig ungewohntes Bild", sagt Max Winter. Vor den Häfen dümpelten Containerschiffe aller Gesellschaften vor sich hin, berichtet der angehende Kapitän eines Frachters der französischen Reederei CMA-CGM; "die Pötte fahren praktisch leer und ragen noch viel höher als sonst aus dem Wasser." Wo die Seeleute vor Wochen noch 3 000 Container an Bord nahmen, sind es in diesen Tagen manchmal unter 100. "Ob Busan, Ningbo oder Yangshan - überall sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spürbar", sagt Winter nicht ohne Sorge. Die Aufträge für die riesigen Schiffe brechen derart stark ein, dass ganze Linien stillgelegt werden. Mit wenigen Dutzend Containern an Bord lohnt sich die lange Fahrt von Asien nach Europa oder Amerika schlicht nicht mehr.

Die weltweite Konjunkturkrise trifft eine Branche mit voller Wucht, die auf eine lange Wachstumsphase hoffte: Die Finanzmarktkrise und dadurch verstärkte Konjunktureinbrüche in wichtigen Industrieländern werde auch in der maritimen Logistik ihre Spuren hinterlassen, sagt Detthold Aden, Chef des Bremer Logistikers BGL und Präsident des Seehafen-Verbands ZDS. "Wir rechnen mit einer Wachstumsdelle im Seegüterumschlag."

In der Container-Schifffahrt verfallen Frachtraten und Ladungsvolumina bereits mit hohem Tempo. Im Oktober kam es zu einem regelrechten Einbruch. Das Minus betrug durchschnittlich 20 Prozent, schreiben die Analysten der HSH Nordbank. Erstmals seit August 2002 sei im Oktober kein einziges Schiff geordert worden. In den großen Reedereien wagt daher kaum noch jemand, eine Einschätzung zu geben.

Der von der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenturen ermittelte Container Ship Time Charter Assessment Index, kurz Contex, gibt zumindest einen Anhaltspunkt. Seit seinem Höchststand am 21. Februar mit 1 022 Punkten ist der meist um 1 000 Punkte pendelnde Index bis Ende vergangener Woche auf 416 Punkte gefallen - Tendenz weiter negativ. Der Index erfasst allerdings nicht den ganzen Markt, sondern nur kurzfristig vercharterte Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 2 500 Standard-Containern (TEU). Großschiffe wie die "Emma Maersk" mit einem Fassungsvermögen von 11 000 TEU lässt die Marktbeobachtung aus, weil sie längerfristig verchartert werden.

Damit erfasse der Index aber die "Arbeitspferde", die vor allem von Charter-Reedereien betrieben werden, erläutert Klaus Bültjer, Geschäftsführer der Makler-Vereinigung. Nach seinen Angaben werden die Ladekapazitäten von weit über 50 Prozent der gesamten sogenannten Tramp-Containerflotte weltweit von Deutschland aus vermietet. Damit kontrollierten die Hamburger Broker etwa 75 Prozent der gesamten Containerschiff-Charter-Tonnage. Skeptisch zeigt sich auch die Makler-Firma Harper Peterson. Es gebe weder im Massengut- noch im Stückgut-Bereich Anzeichen dafür, dass die Talsohle der Krise erreicht sei, heißt es im jüngsten Report der Firma. Darauf warte jeder in der Branche. Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass Vercharterer selbst jetzt noch in jedem Winkel der Welt Ladung auftreiben könnten.

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