Schifffahrt
Reeder schimpfen auf Banken

Nach der Automobilindustrie klagen nun auch die deutschen Reeder über eine zurückhaltende Kreditvergabe der Banken. „Jede Finanzierung wird heute argwöhnisch betrachtet“, sagte der Chef des Reederverbandes VDR, Michael Behrendt. Er sieht durchaus eine Kreditklemme.

HB HAMBURG. Behrendt schloss sich ausdrücklich Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel an, die die Banken kürzlich aufgefordert hatte, endlich wieder aktiver Kredite zu vergeben. Die Kreditinstitute sollten sich darauf besinnen, was ihr eigentliches Geschäft sei, sagte Behrendt. Es sei schwieriger geworden, Schiffskredite zu bekommen, weil viele Banken die Lage der Branche kritisch einschätzten. Die deutsche Schifffahrt rechnet damit, dass viele Schiffsbestellungen wegen Finanzierungsproblemen verschoben oder abgesagt werden müssen.

Die Containerschifffahrt zeigt wegen der Konjunkturabkühlung und den Folgen der Finanzkrise bereits deutliche Bremsspuren. Zudem sind die Frachtraten eingebrochen. „Der Boom der zurückliegenden Jahre ist vorüber“, sagte Behrendt, der auch Chef des Reedereikonzerns Hapag-Lloyd ist. Die Schifffahrt müsse sich „für einige Jahre auf harte Zeiten einstellen“. Die dänische Reederei Maersk, einer der Branchenriesen, kündigte am Donnerstag die Stilllegung von acht Containerschiffen an. Angesichts der Wirtschaftslage sei es wirtschaftlicher, die Schiffe außer Dienst zu stellen, als sie einzusetzen, sagte ein Manager in Kopenhagen.

„Das Jahr 2008 ist ein Jahr des Wandels, aber nicht der Wende“, sagte der VDR-Vorsitzende Michael Behrendt. Mittel- bis langfristig gebe es keinen Zweifel an einer weiteren positiven Entwicklung. Nach Einschätzung mehrerer Prognoseinstitute werde es bereits im dritten Quartel 2009 wieder bergauf gehen. Die Erfahrung zeige, dass sich die Konjunktur oft langsamer erhole als der Transport. „Wir haben noch nie erlebt, dass Konsum über einen langen Zeitraum wegbricht“, sagte Behrendt. Zumindest für die Güter, die in der Schifffahrt transportiert werden, werde der Handel wieder anziehen.´

Auch die Binnenschiffer in Deutschland spüren bereits die Folgen der Rezession. Nach am Donnerstag in Wiesbaden veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes ging die Transportmenge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 0,3 Prozent auf 186,9 Millionen Tonnen zurück. Die Entwicklung folgt den Statistikern zufolge unmittelbar der Konjunktur. Im ersten Quartal hatten die Binnenhäfen noch ein Umschlagplus von 2 Prozent erzielt. Vor allem die Transporte von Kohle, Erzen und Eisen gingen danach zurück. Der Transport über Flüsse und Kanäle macht etwa ein Zehntel des gesamten Gütertransports in Deutschland aus.

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