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Schifffahrt: Wadan-Werften vor dem Aus

Es könnte das Ende für Wadan bedeuten. Die Werften-Gruppe stellte Insolvenzanträge gleich für fünf Einzelfirmen. In Mecklenburg-Vorpommern herrscht nun blanke Wut - über den russischen Finanzinvestor FLC West. Jetzt will die Bundesregierung helfen.

Schiffbauer arbeiten an der Hecksektion eines Frachtschiffes. Quelle: dpa
Schiffbauer arbeiten an der Hecksektion eines Frachtschiffes. Quelle: dpa

HB WISMAR/SCHWERIN. Gut ein Jahr nach dem Einstieg des russischen Finanzinvestors FLC West stehen die Traditionswerften in Wismar und Rostock-Warnemünde möglicherweise vor dem Aus. Die Wadan - Gruppe stellte am Freitag Insolvenzanträge für fünf Einzelfirmen. Das Überleben des größten Schiffbauers in Mecklenburg-Vorpommern ist nach monatelanger Zitterpartie um weitere Finanzspritzen in akuter Gefahr. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) reagierte verärgert: "Ich spüre auch eine gewisse Wut, in welcher Weise die Eigentümer die Werften im Stich gelassen haben." Das Land will sich an der Suche nach einem Investor beteiligen. Auch die Bundesregierung setzt auf einen Neustart an den beiden Standorten mit rund 2500 Beschäftigten.

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Die um ihre Jobs bangenden Mitarbeiter wurden auf Belegschaftsversammlungen informiert. Neben Sellering nahm auch Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) an den Gesprächen teil. Seidel sagte, die maritime Industrie sei das "industrielle Herz" Mecklenburg-Vorpommerns. Das Land werde sich auch um die 260 Zulieferer kümmern, die den Werften bereits mit der Stundung fälliger Rechnungen halfen.

Die Bundesregierung will gemeinsam mit dem Land "alles tun, um die Werften und die Arbeitsplätze zu erhalten", wie die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl (CSU), sagte. "Entscheidend ist jetzt, nach vorn zu schauen und im folgenden Insolvenzverfahren einen Neustart anzustreben." Gebraucht werde ein vertrauenswürdiger Investor mit zukunftsfähigem Konzept. Ziel bleibe, die Kernindustrie Mecklenburg-Vorpommerns zu erhalten und die Zukunft der deutschen Schiffbauindustrie zu sichern.

Wadan war im vergangenen Herbst in den Strudel der Wirtschafts- und Finanzkrise geraten. Die Bereitschaft der Banken, Schiffsbauten wie bisher zu finanzieren, ging dramatisch zurück, neue Aufträge kamen nicht herein. Derzeit werden zwei Großfähren gebaut, zwölf Schiffe befinden sich noch im Auftragsbestand. Die letzte Auslieferung ist für das dritte Quartal 2010 geplant.

Weil Banken zusätzliche Sicherheiten verlangten, war der Staat bis Ende Mai schon mehrfach mit Krediten und Bürgschaften über mehr als 200 Mio. Euro eingesprungen. Die Werften profitierten dabei auch vom "Schutzschirm" des Bundes. Am Donnerstagabend hatte der Chef des Wadan-Aufsichtsrats, Andrej Burlakow, bei einem Krisentreffen in Schwerin von der Landesregierung zusätzliche Hilfen verlangt. Diese wurden jedoch abgelehnt. Sellering beharrte darauf, dass zunächst "die Eigner ihre Zusagen einlösen". Laut Medienberichten hatte sich Burlakow geweigert, den geforderten Eigenanteil von insgesamt fünf Mio. Euro zu übernehmen.

Der FLC-Chef war am Donnerstag von den Wadan-Beschäftigten in Wismar mit einem Pfeifkonzert empfangen worden. Betriebsrätin Ines Scheel sagte am Freitag, sie habe nach Bekanntwerden der Insolvenz den Eindruck gewonnen, "dass die Leute froh sind, dass wir die Russen dann jetzt eventuell los sind". Die IG Metall Küste schloss nicht aus, dass zur Rettung der Jobs weitere Staatsbürgschaften nötig sein könnten. Die Insolvenz dürfe nicht das Aus der Standorte bedeuten, unterstrich Bezirksleiterin Jutta Blankau. Der Chef des Unternehmerverbands in Rostock, Ulrich Seidel, zeigte sich trotz der dramatischen Zuspitzung bei Wadan optimistisch: "Mit einem strukturierten Insolvenzplan ist sicher, dass eine langfristige Sicherung der Werften erfolgen kann."

Sowohl die russische FLC West, die 70 Prozent der Anteile an Wadan hält, als auch die koreanische STX Europe (30 Prozent) hätten ihre Zusagen nicht eingehalten, kritisierte Sellering. Vergleichsweise geringe Eigenbeiträge seien nicht geleistet und damit Vertrauen verspielt worden. Bund und Land haben nach Auffassung des Schweriner Regierungschefs hingegen alles getan, um die Werften zu unterstützen.

/jap/mg/sam/DP/das

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