Schiffs-Branche
Wettbieten um Koreas Daewoo-Werft treibt den Preis

Das Rennen ist eröffnet: Vier Großkonzerne liefern sich in Südkorea ein Bietergefecht um Daewoo Ship-Building & Marine Engineering, der drittgrößten Werft der Welt. Die Werft steht zum Verkauf, weil sich der Staat von seinem Anteil trennt.

TOKIO. Vier Großkonzerne liefern sich in Südkorea ein Bietergefecht um die drittgrößte Werft der Welt. Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering steht großteils zum Verkauf, weil sich der Staat von seinem Anteil trennt. Außer dem Schwerindustriekonzern Hyundai Heavy bieten die Firmenkonglomerate Hanwha und GS Group gegen den Stahlspezialisten Posco, teilte die staatliche Korea Development Bank gestern mit. Das Volumen der Übernahme schätzen Experten auf sieben Bill. Won (knapp fünf Mrd. Euro). Gestern lief die Frist für eine Absichtserklärung ab. Angebote sind bis Mitte Oktober möglich. Ausländische Bieter sind nach dem Willen des koreanischen Staates ausdrücklich nicht erwünscht.

Daewoo verfügt über Kompetenz beim Bau von Ölanlagen wie Bohrinseln oder Pipelines. In Zeiten steigender Ölpreise liegt hier ein fast sicheres Wachstumsgeschäft. "Das Interesse an Unternehmen, die ins Geschäft mit Hochseeölbohrungen einsteigen wollen, ist riesig", sagt Cho In-Karp, Analyst beim Wertpapierhaus Good Morning Shinhan in Seoul. "Die Bieter werden den Verkaufspreis ganz schön in die Höhe treiben." Die Korea Development Bank und die staatliche Beteiligungsgesellschaft Korea Asset Management offerieren gemeinsam 50,4 Prozent an Daewoo Shipbuilding. Nach heutigem Seouler Schlusskurs von 35,35 Won wäre dieser Anteil 3,4 Bill. Won wert (gut zwei Mrd. Euro).

Daewoo Shipbuilding gehörte bis zum Jahr 2000 zum gleichnamigen Industriekonglomerat, das in Deutschland vor allem durch den versuchten Markteintritt der Autosparte bekannt ist. Der Konzern investierte sich in der Zeit nach der asiatischen Finanzkrise 1997 in den Ruin. Neben anderen Käufern ist der Staat eingestiegen, um das Großunternehmen zu retten. Derzeit macht sich Südkorea mit einer Reihe von Privatisierungen und Liberalisierungen für stärkeren Wettbewerb fit. Vermutlich noch in diesem Jahr wird eine Freihandelserklärung mit den USA in Kraft treten, ein ähnlicher Vertrag mit der EU ist in Arbeit. Die Öffnung der Zoll- und Investitionsgrenzen setzt die einheimische Industrie einem bisher nicht gekannten Konkurrenzdruck aus. Eine Beschränkung der Bieter auf einheimische Unternehmen wie im aktuellen Fall wäre dann eine Vertragsverletzung.

Wenn Hyundai Heavy den Zuschlag bekäme, wäre dessen Werftensparte einen wichtigen Konkurrenten los. Zudem wäre das Schiffsbaugeschäft auf einen Schlag dreimal größer als das des nächsten Konkurrenten. Sowohl Hyundai als auch Daewoo haben Kriegsschiffe und U-Boote für die Marine gebaut - hier gibt es Möglichkeiten für Synergien. Die GS-Gruppe ist dagegen bisher auf Energietechnik und allgemeine Baudienstleistungen spezialisiert. Ihr Interesse ist auf den Bau von Bohrplattformen fokussiert. Hanhwa kommt von Chemieindustrie her und bietet bisher Ausrüstung fürs Ölbohren an. Posco als Stahlkonzern sucht den Weg in künftige Wachstumsbranchen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%