Schiffsfinanzierer
„Fast alle haben sich zurückgezogen“

Die Krise der Schiffsindustrie wird die Banken nach Einschätzung der DVB-Bank erst in den kommenden Jahren richtig treffen. Das meint zumindest der Chef der DVB-Bank, Wolfgang Driese. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht er über die Kreditklemme in der Schiffsfinanzierung und sagt, wann erst die richtigen Probleme auftreten werden.

Handelsblatt: Herr Driese, Sie warnen vor einer Kreditklemme in der Schiffsfinanzierung. Gibt es denn schon konkrete Anzeichen dafür?

Wolfgang Driese: Die meisten Banken haben sich aus diesem Geschäft zurückgezogen. Bei wichtigen deutschen Schiffsfinanzierern wie der HSH Nordbank und der Commerzbank Gruppe ist der Staat mit an Bord und es gibt eine Diskussion über das Geschäftsmodell. Das führt dazu, dass diese Banken sich aus dem Geschäft sehr stark zurückziehen. Auch die KfW ist selektiver geworden. HSH und KfW sind aber weltweit die größten Schiffsfinanzierer.

Wer ist denn überhaupt noch international aktiv im Geschäft?

Im Wesentlichen sind das - auf globaler Basis - die nordeuropäischen Banken, Nordea und DNB Nor, und die DVB. Ansonsten sind nur regionale Aktivitäten zu verzeichnen.

Eigentlich könnten Sie sich doch darüber freuen, wenn Ihnen die Konkurrenz verloren geht, oder?

In diesem Fall ist so ein Alleinstellungsmerkmal eher besorgniserregend. Bei größeren Finanzierungen müssen sich Banken zusammentun und sich Großkredite teilen. Dieser Syndizierungsmarkt, bei der eine Bank eine große Kreditzusage gibt und dann andere mit ins Boot holt, funktioniert momentan nicht mehr. Sie müssen sich vorab mit anderen zusammentun - für einen so genannten Club Deal. Auch da ist die Auswahl an Partnern nun sehr eingeschränkt. Und einzelne, die in Bankenkonsortien mitgemacht haben, suchen im Kleingedruckten nach Möglichkeiten, da herauszukommen.

Welche Folgen hat das denn für die Schiffswerte?

Je eingeschränkter die Finanzierungsmöglichkeiten sind, desto negativer wirkt sich das auf die Preise aus.

Wie überhitzt war der Markt eigentlich?

Einige Banken haben Kreditmargen von weniger als ein Prozent akzeptiert. Damit deckt man weder seine Kosten, noch ist eine Risikomarge enthalten. Auch Beleihungswerte von 90 Prozent waren möglich. Das heißt, der Kredit belief sich auf 90 Prozent des Schiffswerts. Gesund sind 70 bis 80 Prozent und in den Hochphasen haben wir das versucht, auf 60 bis 70 Prozent zu senken.

Die Schifffahrt ist durch die weltweite Rezession schwer lädiert. Wie gehen Sie mit diesen Risiken um?

Wir betreuen unsere Kunden als einzige Bank mit einer Organisationsstruktur, in der Teams auf einzelne Schiffstypen - Containerschiffe, Massengut-Frachter, Öltanker usw. - spezialisiert sind. Die genaue Zuordnung der Zuständigkeiten hilft dabei, Problemfälle schnell zu erkennen und präventiv zu handeln.

Das bedeutet konkret?

Die Kreditverträge enthalten so genannte Wertsicherungsklauseln. Sinkt der Schiffswert im Verhältnis zur Kreditsumme unter einen bestimmten Wert, dürfen wir vom Kunden vorzeitige Tilgungen oder die Einbindung neuer Sicherheiten verlangen, um das auszugleichen. Im vergangenen Jahr gab es bei uns zehn solcher Fälle, die alle zufriedenstellend geregelt wurden. Derzeit sind 30 neue Fälle in Bearbeitung.

Und die Reeder können zahlen?

Wir hatten mehrere exzellente Jahre in der Containerschifffahrt und auch bei den Massengutfrachtern. Außerdem haben die Reeder noch Schiffe, die von Hypotheken unbelastet sind. Wir befinden uns in der ersten Phase des Abschwungs in der Finanzierung: In Phase eins werden einzelne Kreditvereinbarungen gebrochen, können aber repariert werden. In Phase zwei ist eine Reparatur nicht mehr möglich und die Banken verhandeln Kreditlaufzeiten und Tilgungen neu. In Phase drei müssen Banken dann die Sicherheiten, also die Schiffe, auch übernehmen.

Wann ist es so weit?

Phase drei werden wir erst 2010 sehen.

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