Schiffsmotoren
Finnen fordern MAN heraus

Die Wirtschaftskrise hatte den finnischen Schiffsmotorenbauer Wärtsilä stark getroffen, doch die Schifffahrtsbranche erholt sich schneller als erwartet. Nun will der Konzern seinem größten Konkurrenten MAN die Marktführerschaft bei Schiffsmotoren streitig machen und entwickelt neue Maschinen in Asien.
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HAMBURG. Wasser ist Ole Johannsons Element. Seine Freizeit verbringt der Manager am liebsten in seinem Ferienhaus an der südwestlichen Schärenküste Finnlands. Dort sammelt der 59-Jährige Kraft bei Touren auf seinem Motorboot. "Wie jeder Finne habe ich eine enge Beziehung zum Meer", sagt der Chef von Wärtsilä, dem Hersteller von Motoren für Schiffe und Kraftwerke. Die Finnen bringen Tanker, Container- und Kreuzfahrtschiffe zum Laufen.

Ärgster Rivale ist der deutsche Dax-Konzern MAN. Zum Branchentreffen SMM, der weltweit wichtigsten Messe für Schiffbau, diese Woche in Hamburg macht sich Optimismus breit in der 2009 von einem gewaltigen Einbruch gebeutelten Branche. "Die Erholung der Schifffahrt ist schneller eingetreten, als ich erwartet hatte. Und es sieht so aus, als würde sie anhalten", sagte Johannson dem Handelsblatt.

Seinen Rivalen, den neuen MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen, kennt Johannson gut, leitete der doch lange die MAN-Schiffsmotorensparte. Wärtsilä liegt bei Vier-Takt-Motoren vorn, MAN führt weltweit bei Zweitaktern. Johannson will dem Münchner Rivalen aber nicht das Feld überlassen. "Zusammen mit asiatischen Partnern bringen wir neue Zwei-Zylinder-Motoren auf den Markt", kündigt Johannson an.

Die riesigen Motoren etwa für große Containerschiffe müssen Lizenznehmer vor Ort produzieren, dort wo die Werften sind. Neue Schiffe werden vor allem in China und Korea gebaut. Johannson weiß, dass die Chinesen sich auf Dauer nicht mit der Rolle des Juniorpartners begnügen werden, sondern eigene Motoren herstellen wollen. "Die Entwicklung in China hängt von uns ab. Wärtsilä und MAN spielen dabei als Marktführer eine wichtige Rolle", ist der Finne überzeugt. Dazu arbeitet er mit den Chinesen zusammen, stärkt Kooperationen und Joint Ventures. Forschung und Entwicklung konzentriert Johannson aber in Europa: "Da kommt es auf die richtige Balance an."

Verbale Kraftmeierei ist dem mit Bedacht formulierenden Finnen fremd. Diplomatisch wägt er seine Worte ab. "Als Finnen schauen wir über die eigene Kultur hinaus", findet Johannson, der sich in vielen Institutionen seines Landes ehrenamtlich engagiert. "Und dann handeln wir statt viel zu reden."

So war es auch im vergangenen Jahr, als die Reeder aufgrund des Wirtschaftseinbruchs weltweit nur ein Ziel hatten: den Bau längst bestellter Schiffe zu stoppen oder wenigstens hinauszuzögern. Der börsennotierte Motorenbauer Wärtsilä musste reagieren, von volle Fahrt auf Sparbetrieb umschalten. Der Auftragseingang sank von Ende 2008 bis zum Jahreswechsel 2009/2010 rapide. Johannson handelte kompromisslos. In Holland schließt der lang gediente Unternehmenschef die Produktion von Schiffspropellern, überall baut er Stellen ab. Mitte 2010 stehen 1.000 Menschen weniger auf Wärtsiläs Gehaltsliste, 400 weitere müssen gehen, dann hat das Unternehmen weniger als 18.000 Mitarbeiter.

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