Schlechte Absatzzahlen
Brauindustrie erlebt Desaster

Der Bierabsatz in Deutschland ist 2007 geradezu eingebrochen. Schuld waren ein verregneter Sommer und fehlende Großereignisse. Selbst der einstige Shootingstar Becks hat Probleme. Und in diesem Jahr könnte es wegen der Rauchverbote noch schlimmer werden.

DÜSSELDORF. Die deutsche Brauindustrie hat 2007 mit einem Absatzminus von 3,7 Prozent im Inland ein Desaster erlebt. Wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte, musste der bisher für das vergangene Jahr prognostizierte Wert noch einmal um 0,5 Prozentpunkte nach unten korrigiert werden. Hauptgründe für das Minus waren fehlende Großereignisse wie die Fußball-WM sowie der verregnete Sommer.

„Unsere Mitarbeiter verbringen inzwischen einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit der Wetterbeobachtung und der Auswertung von Klimatabellen“, berichtetete gestern Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins zur Lage seiner Branche. Dabei ist Veltins aus dem Debakel des vergangenen Jahres noch verhältnismäßig glimpflich davongekommen – die Einbußen der Hauptmarke konnten die Biermischgetränke unter dem Label „V+“ ausgleichen. Unter dem Strich blieb mit einem Umsatz von 252 Mill. Euro sogar noch ein kleines Plus von 1,2 Prozent.

Andere heimische Großbrauereien und Braugruppen kommen hingegen nur auf einen positiven Jahresabschluss, wenn sie ihre Akquisitionen aus dem Jahr 2007 mit einrechnen. So ist beispielsweise die Umsatzsteigerung der Warsteiner Gruppe von 1,3 Prozent auf 542 Mill. Euro vor allem auf die Integration der Herforder Brauerei zurückzuführen. Die Radeberger Gruppe rechnet bei ihrem Umsatzplus von einem Prozent auf 1,3 Mrd. Euro neben der Übernahme des Freiberger Brauhauses auch noch die Umsätze aus dem gruppeneigenen Getänkefachgroßhandel ein.

Doch hinter den polierten Kulissen herrscht die pure Tristesse: Die Radeberger Gruppe verringerte als Branchenführer ihren Bierausstoß um rund 710 000 Hektoliter (minus fünf Prozent) und kommt jetzt auf 13,6 Mill. Hektoliter. Bei Inbev Deutschland, mit Marken wie Beck’s, Diebels und Hasseröder Nummer zwei der Branche, sank der Absatz 2007 um 370 000 auf 9,1 Mill. Hektoliter.

Besonders bemerkenswert ist der Absturz von Beck’s, der sich sowohl aus einem Ausstoßrückgang der Hauptmarke als auch dem Einknicken der bisherigen Hoffnungsträger „Beck’s Gold“ und „Green Lemon“ erklärt. Aber auch die Talfahrt der Altbiermarke Diebels ging unvermindert weiter. Unter dem Dach des belgischen Braugiganten halbierte sich der Diebels-Ausstoß seit dem Jahr 2001 auf 730 000 Hektoliter.

Die Deutschland-Zentrale von Inbev wollte diese internen Ergebnisse, die dem Handelsblatt vorliegen, aber nicht kommentieren. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Konzernleitung im belgischen Leuven den ehemaligen Deutschland-Chef Alain Beyens zum Jahreswechsel aus Moskau zurückbeordert hat. Er löste den bisherigen Westeuropa-Chef bei Inbev, Stéfan Descheemaeker, ab und soll jetzt offenbar die Karre aus dem Dreck ziehen.

Branchenbeobachter rechnen für das laufende Jahr sogar noch mit einer weiteren Verschärfung der Lage in der deutschen Brauindustrie beispielsweise durch die flächendeckende Durchsetzung des Rauchverbots in Gaststätten. Nach den vorliegenden, einschlägigen Erfahrungen in Süddeutschland rechnet beispielsweise Veltins mit Absatzverlusten beim Fassbier von sechs bis sieben Prozent. Branchenexperten wie Daniel Scholten von der Düsseldorfer WGZ-Corporate-Finance-Beratung, schätzen das auf Rauchverbote zurückzuführende Absatzminus auf drei Prozent. Vor allem kleinere Brauereien mit einem großen Gastronomie-Anteil könnten dadurch in existenzielle Gefahr geraten.

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