Schlechte Chancen für „Ausverkauf“
Nicht mehr viel übrig von MG Rover

Das drohende Aus beim letzten eigenständigen britischen Autoherstellers beschäftigt eine ganze Nation. Immerhin ist die Zukunft für MG Rover nicht nur düster, sondern eher pechschwarz. „Alle Hoffnung ist begraben“, titelte der BBC-Nachrichtenkanal News 24 am Freitag.

HB LONDON. Fieberhaft hatte die britische Regierung mitten im Wahlkampf in den vergangenen Tagen versucht, in Gesprächen mit der chinesischen Regierung das Ruder noch herumzuwerfen. Am Ende aber musste Industrieministerin Patricia Hewitt den Bankrott auch ihrer eigenen Verhandlungsfähigkeit eingestehen und die „katastrophalen Nachrichten“ bestätigen.

Warum auch sollte das Staatsunternehmen SAIC in Shanghai in ein offensichtliches Fass ohne Boden investieren? Die Chinesen wollten sich angesichts der grausigen Geschäftszahlen am Ende dann doch nicht die Finger verbrennen - wie seinerzeit BMW, das sein englisches Tochterunternehmen vor fünf Jahren schließlich für den symbolischen Preis von zehn Pfund praktisch verschenkte. Nach mehr als 100 Jahren Unternehmensgeschichte ist aus Rover kaum noch etwas herauszuholen. Selbst beim jetzt möglicherweise anstehenden Verkauf in Häppchen werden die Experten vom Insolvenzverwalter Pricewaterhouse Coopers ihre liebe Mühe haben.

„Es ist nicht mehr viel übrig“, hatte Peter Beale vom vierköpfigen Phoenix-Konsortium, der Rover-Muttergesellschaft, vergangenen Woche selbst eingeräumt, als die Insolvenzverwalter gerufen wurden. Das stimmt nur zu sehr. Rover gehört nicht einmal mehr der Grund und Boden, auf dem das Hauptwerk Longbridge in Birmingham steht - dort, wo bis vor wenigen Tagen rund 6000 Arbeiter die Autos am Fließband zusammensetzten. Das Grundstück war schon früher für 57 Mill. Pfund verkauft und dann zurückgeleast worden.

Das Ersatzteilgeschäft von Rover ging im vergangenen Jahr für 100 Mill. Pfund an das amerikanische Unternehmen Caterpillar. Die Shanghai Automotive Industrial Corporation (SAIC), die jetzt die Übernahmegespräch endgültig abblies, besitzt bereits die Rechte zum Bau von Rover-Motoren und den Automodellen Rover 25 und Rover 75. Selbst der Markenname Rover selbst gehört nicht Rover, sondern BMW. Der wertvollste noch vorhandene Aktivwert ist der Markenname MG, der nach Angaben vom Freitag etwa 50 Mill. Pfund wert sein dürfte. In letzter Zeit war der Eindruck entstanden, dass die vier Geschäftsleute der Phoenix-Gruppe Gewinn bringende Unternehmensteile ausgliederten, um selbst Profite einzustreichen, statt dem Unternehmen auf die Beine zu helfen.

Doch am Ende gibt es nun fast nur Verlierer. Ein Großteil der Rover-Belegschaft wird wohl seinen Arbeitsplatz verlieren, ebenso wird es den Zulieferfirmen ergehen. Auch Premierminister Tony Blair steht nicht gut da, nur drei Wochen vor den Wahlen zum Unterhaus. Einerseits kann er mit seinem wirtschaftsliberalen Kurs jetzt nicht ein marodes Unternehmen mit Subventionen künstlich am Leben erhalten, andererseits zählt seine Labour-Partei die Arbeiter zu ihrer Stammwählerschaft.

Gewinner sind höchstens die Verbraucher: Nach Expertenmeinung können Schnäppchenjäger beim Kauf eines MG oder Rovers mit Rabatten von bis zu 30 % rechnen. Garantien auf die Neuwagen bekommen sie jedoch nicht mehr.

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