Schlechte Voraussetzungen für Gespräche über neues Schichtmodell in der Golf-Produktion
Betriebsrat schaltet bei VW-Sanierung auf stur

Der ehemalige Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard kommt bei der Sanierung von VW nicht voran. Der Betriebsrat hat vor der Wiederaufnahme von Gesprächen über ein neues Schichtmodell in der Golf-Fertigung seine Ablehung des Plans bekräftigt.

HB HAMBURG. „Eigentlich brauchen wir keine neuen Arbeitszeiten“, sagte der Vorsitzende der Arbeitszeitkommission, Heinz-Georg Wenzel, am Mittwoch in Wolfsburg. Ursprünglich hatte die Unternehmensleitung das neue Schichtmodell nach dem Ende der Werksferien starten wollen. Die Verhandlungen darüber liegen aber seit Beginn der VW-Korruptionsaffäre auf Eis.

Durch ein neues Schichtmodell will Volkswagen Nachtzuschläge in Millionenhöhe einsparen. Die Werksleitung hat laut eines Berichts der „Wolfsburger Nachrichten“ vom Mittwoch zuletzt vorgeschlagen, künftig von Montag bis Freitag zu arbeiten. Bisher gilt bei VW die Vier-Tage-Woche. Am Dreischicht-Betrieb solle festgehalten werden, die Beschäftigten sollten aber nur noch knapp sechs Stunden am Tag arbeiten, schreibt die Zeitung. Unterm Strich wären 1500 Mitarbeiter überflüssig.

Betriebsrat Wenzel sagte, statt die Arbeitszeit zu ändern müsse die Arbeitsorganisation verbessert werden. Das sei Sache der Werksleitung und nicht der Belegschaft.

Der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte vor einem Monat mit deutlichen Worten davor gewarnt, die Krise bei der Kernmarke des Autobauers könne sich verschärfen. Er kündigte deshalb an, radikal den Rotstift anzusetzen. „So gut wie es uns jetzt geht, wird es uns die nächsten drei Jahre nicht mehr gehen. Und es geht uns nicht gut“, sagte Bernhard der VW-Mitarbeiter-Zeitung „Autogramm“. Bernhard weiter: „Wir haben uns die Frage gestellt: Was müssen wir leisten, um die nächsten Jahre zu überstehen.“ Branchenkreisen zufolge will der Autokonzern in den kommenden drei bis vier Jahren insgesamt rund zehn Mrd. € einsparen. Die Marke VW schreibt derzeit rote Zahlen.

Auch über den von Volkswagen geplanten Bau eines neuen Geländewagens auf Golf-Basis in Wolfsburg zeichnet sich keine schnelle Einigung ab. Betriebsrat Wenzel sagte, darüber müsse getrennt verhandelt werden. Bernhard will durch Zugeständnisse des Betriebsrats Kostensenkungen von 850 Euro je Fahrzeug erreichen. Ein Abschluss sollte bis Ende August präsentiert werden. Dies ist nach Einschätzung des Betriebsrats kaum erreichbar.

Bernhard hatte Mitte Juli betont, dass es bis zum 20. August ein Ergebnis geben müsse, damit der Geländewagen beschlossen werden könne. „Jede Verzögerung schadet dem Produkt und nützt unseren Wettbewerbern.“ Bernhard damals weiter: „Eine schnelle Einigung würde uns ermutigen, mit weiteren Produktvorschlägen zur Sicherung der Beschäftigung an den Betriebsrat in Wolfsburg heranzutreten.“

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