Schlechte Zahlen auf der Hauptversammlung
Leica ist der Gnade der Gläubiger ausgeliefert

Die Insolvenz des überschuldeten Kameraherstellers Leica ist vorerst abgewendet. Gläuber hätten ihre Forderungen zurückgestellt, sagte ein Unternehmenssprecher.

HB SOLMS. Die gute Nachricht kam passend zur außerordentlichen Hauptversammlung der Leica Camera AG am Dienstag im mittelhessischen Solms. Ansonsten waren positive Nachrichten eher rar: Im Geschäftsjahr 2004/2005 (zum 31. März) sind unterm Strich Verluste von 15,5 Millionen Euro aufgelaufen, der Umsatz brach nach vorläufigen Zahlen um 21 Prozent auf 93,7 Mio Euro ein. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem operativen Verlust in Höhe von 13 Millionen Euro.

Die Banken sind trotz monatelanger Verhandlungen bisher nur zu einer Überbrückungsfinanzierung bis Mitte Juni bereit. Nach der Hauptversammlung will Leica mit den Geldgebern um eine längerfristige Lösung ringen.

Leica will nach der geplanten Sanierung im Geschäftsjahr 2006/2007 wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Das Unternehmen solle in seiner Gesamtheit fortgeführt werden, kündigte Vorstandsvorsitzender Josef Spichtig an. „Die Sanierungsfähigkeit steht auch für mich fest.“ Die Leica Camera AG solle vor allem mit Neuheiten in Sportoptik und Digitalfotografie wachsen.

Spichtig führte die Existenzkrise des Unternehmens auch auf Managementfehler - wie etwa die verspätete Markteinführung von Produkten - zurück. Dem Vorstand sei bewusst, dass Vermögen von Anteilseignern des Unternehmens zerstört worden sei.

Leica hat den Trend zur digitalen Fotografie verschlafen und stattdessen auf seinen legendären Ruf gebaut. Doch immer mehr Leica-Fotografen waren das Einlegen von Filmen leid und stiegen auf andere Marken um. Bis heute gibt es noch keine digitale Systemkamera aus Solms. Der Verkaufsstart eines Digitalrückteils für die Spiegelreflexkameras R8 und R9 ist immer wieder verschoben worden und soll nun Mitte Juni erfolgen. Die erste Messsucherkamera der Welt kam nicht vom Spezialisten Leica, sondern vom Druckerhersteller Epson mit der R-D1, die auf einem analogen Kameramodell des japanischen Kameraherstellers Cosina beruht.

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung stimmen die Aktionäre über ein Rettungspaket ab, damit dem Unternehmen frisches Geld zufließt. Geplant ist eine Kapitalherabsetzung und eine anschließende Erhöhung des Grundkapitals durch die Ausgabe neuer Aktien. Bis zu 13,5 Millionen neue Aktien sollen zum Preis von 1,70 Euro ausgegeben werden.

Künftig solle das Unternehmen auf einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro ausgerichtet werden. Ein weiterer Personalabbau könne dabei nicht ausgeschlossen werden, erklärte ein Sprecher. Allein in den vergangenen vier Jahren hat Leica rund 400 Stellen abgebaut. 1050 Beschäftigte arbeiten derzeit weltweit für das Unternehmen, 415 davon in Solms. An den beiden Standorten in Mittelhessen und in Portugal will Leica festhalten.

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