Schlechte Zahlen
Daimler: Der Lack ist ab

Der erneute Milliardenverlust bei Daimler zeigt beeindruckend, dass das Premium-Segment der Autobranche in der Krise steckt. Zu beobachten ist allerdings auch, dass sich die Gewichtung der Hersteller verschiebt - weg von den Platzhirschen Mercedes und BMW, hin zu Audi und Porsche.

MÜNCHEN/STUTTGART. Düsterer können Prophezeiungen kaum sein. "2009 wird für die Autoindustrie ein Darwin-Jahr", orakelt Daimler-Chef Zetsche Ende Januar auf dem "World Mobility Forum" in Stuttgart. Nur die Fittesten würden das kommende Stahlbad überleben. Aber natürlich werde die Marke mit dem Stern dazugehören, verkündete Zetsche vor versammelter Branche.

Nun ist das Darwin-Jahr zur Hälfte rum, und Zetsche muss deutlich machen, warum Daimler besonders gute Überlebenschancen haben soll. 2,4 Mrd. Euro Verlust schreiben die Stuttgarter nach dem ersten Halbjahr, und Besserung ist nicht wirklich in Sicht. Zetsche betonte zwar gestern, dass man den Tiefpunkt mit dem ersten Quartal schon hinter sich habe.

Tatsächlich legten bis auf die Nutzfahrzeuge alle Bereiche beim Absatz im Vergleich zum ersten Quartal wieder zu. Aber immer noch befinden sie sich auf sehr niedrigem Niveau. Im zweiten Halbjahr will Zetsche zurück in die Gewinnzone. Aber den Horror des ersten Halbjahres wird er nicht mehr kompensieren können, angesichts eines weltweiten Einbruchs des Automarktes um ein Fünftel und bei den Lkws um bis zu 40 Prozent.

Konkrete Prognosen wagte Zetsche nicht. Sein Muntermachen half gestern allenfalls dem Aktienkurs, der gestern zeitweise sechs Prozent zulegte. Für Zulieferer, die seit Monaten vergebens auf Bestellungen von Daimler warten, klingen Zetsches Aussagen eher wie das Pfeifen im Walde. Die Zweifel halten sich in der Branche beharrlich. Wie lange auch immer diese Krise andauert, nichts wird wieder so sein wie vorher, sagen Experten.

Der Auslese- und Konzentrationsprozess in der Autoindustrie ist voll entbrannt, und das trifft diesmal auch die renditeverwöhnten Premiumhersteller. Seit Beginn der Krise ist ein einmaliger Schlussverkauf im Gange: Die ehemalige GM-Tochter Saab kämpft mit einer neuen schwedischen Investorengruppe ums Überleben. Ford will seine einstige Perle Volvo verkaufen, möglicherweise an Chinesen. Indiens Automogul Tata hat sich bereits die Trophäe Jaguar gesichert, die siechende Ikone der britischen Autoindustrie. Es ist fraglich, ob die zum Teil arg heruntergewirtschafteten Marken wieder zu altem Glanz zurückfinden. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Fragezeichen hinter diesen Marken noch größer sind, als bei den einheimischen Luxusherstellern.

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