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04.03.2008 
VW-Betriebsratschef kritisiert Porsche

„Schlechter geht es nicht“

von Mark C. Schneider

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ist sauer: Er sieht die Interessen der VW-Belegschaft bei der geplanten Übernahme von VW durch Porsche nicht angemessen berücksichtigt. Seine Kritik richtet sich dabei ebenso gegen den Stuttgarter Sportwagenhersteller wie VW-Patriarch Piëch. Und auch bei BMW und Daimler kann man sich so manchen Seitenhieb nicht verkneifen.

Spart nicht mit Kritik: VW-Betriebsratschef Bend Osterloh Foto: apLupe

Spart nicht mit Kritik: VW-Betriebsratschef Bend Osterloh Foto: ap

GENF. Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh ist verärgert über Porsches Vorgehen bei der zu Wochenbeginn angekündigten Übernahme von VW. "Wenn ich ein Unternehmen übernehmen will, dann fange ich das nicht so an wie Porsche", sagte Osterloh dem Handelsblatt am Rande des Genfer Autosalons. "Schlechter kann man es nicht machen." Er habe sich nicht nur eine angemessene Beteiligung der Volkswagen -Belegschaft gewünscht, er habe sie erwartet.

Porsche -Chef Wendelin Wiedeking hatte in Stuttgart seiner Belegschaft den Plan erläutert, den VW -Anteil für rund zehn Mrd. Euro von 30,6 Prozent auf mehr als 50 Prozent der Stimmrechte aufzustocken. Am Montag hatte der Aufsichtsrat der Porsche Holding den Plan genehmigt. Am selben Tag hatte Volkswagen bekannt gegeben, sich mit 68,6 Prozent der Stimmrechte die Mehrheit am schwedischen LKW-Bauer Scania gesichert zu haben. Volkswagen strebt einen LKW-Riesen aus seinem eigenen Nutzfahrzeuggeschäft in Südamerika, Scania und MAN an. Am Münchner LKW-Produzenten MAN hält Volkswagen 29,9 Prozent der Stimmrechte.

Volkswagens Aufsichtsratschef und Porsche -Anteilseigner Ferdinand ist damit drauf und dran, eine automobile Welt-AG zu schaffen. Bei der Konkurrenz gibt man sich allerdings gelassen. BMW -Chef Reithofer betonte gegenüber dem Handelsblatt, er sehe keinen Anlass, umzudenken: "Es hat sich erwiesen, dass Größe allein nicht für schwarze Zahlen sorgt."

Dieter Zetsche, als Chef des weltgrößten LKW-Herstellers direkter Konkurrent von Scania, meinte, er habe "zumindest noch keine industrielle Logik mit dem Kauf von Scania mitgeliefert bekommen". Wenn MAN und Scania künftig enger zusammenarbeiteten, hätte die zunächst einmal nicht viel mit VW zu tun und sei nur ein ähnlicher Weg, wie ihn Daimler bereits vor 20 Jahren mit seiner LKW-Sparte gegangen sei, stichelt der Daimler -Vorstandschef. "Das sorgt erst einmal für große Beschäftigung miteinander" und nach einem längerem Zeitabstand dann bestenfalls zu Kostenvorteilen für beide Unternehmen. "Wenn es dazu kommt, Glückwunsch!"

Das unterschiedliche Vorgehen des Managements von VW und Porsche ist für Betriebsratschef Osterloh, der sich erstmals dazu äußerte, "ein Kontrastprogramm". Dem VW -Chef Martin Winterkorn attestiert der Betriebsratschef ein faires Vorgehen. Porsche -Chef Wiedeking, mit dem Osterloh seit Monaten im Clinch um die Mitbestimmungsregeln in der neuen Porsche Holding (SE) liegt, wirft er Blockadepolitik vor. "Was von der Gegenseite derzeit kommt, zeigt mir, dass man keine angemessene Beteiligung der VW -Belegschaft will", sagte Osterloh. Im Konflikt mit Großaktionär Porsche macht Osterloh inzwischen auch Piëch Vorwürfe. Er rede mit Piëch am Rande von Aufsichtsratssitzungen über das Thema. "Allerdings hätte ich mir mehr Rückendeckung von ihm erwartet", sagte Osterloh dem Handelsblatt.

Im Gegensatz zu seinem Betriebsrats-Pendant bei Porsche, Uwe Hück, will der VW -Mann keine Einigung erkennen können. Hück hatte vergangene Woche davon gesprochen, beide Parteien seien eigentlich schon auf dem Standesamt. "Wenn ich vorm Standesamt stehe, brauche ich doch einen Ehevertrag, den ich unterschreiben kann. Vielleicht ist das bei Uwe Hück und mir der Fall. Aber für den Vorstand der Porsche SE gilt das nicht", sagte Osterloh. IG Metall-Chef Huber versucht seit Wochen, den Streit zwischen den beiden prominenten Gewerkschaftern beizulegen.

Der Fall Scania ist aus Sicht des VW -Betriebsrates ein Beispiel für eine gelungene Übernahme. "Wir werden jetzt darüber diskutieren, wie wir die Kollegen formal richtig in den Europäischen Konzernbetriebsrat einbinden. Darüber hinaus wollen wir das Thema Mitbestimmung noch in anderen Gremien absichern. Das ist bei uns so verabredet. Egal, wer noch dazukommt, in den Konzernverbund Volkswagen", sagte Osterloh. Das sei der Grund, weshalb es nicht eine negative Meldung der Arbeitnehmervertreter von Scania zur Übernahme durch Volkswagen gegeben habe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neues Konfliktpotenzial

Den Europäischen Betriebsrat will sein Vorsitzender von 25 auf 27 Köpfe aufstocken, um Platz für zwei Arbeitnehmervertreter von Scania zu schaffen. "Die Betriebsräte von Scania arbeiten seit Jahren als Gäste bei uns im Europäischen Betriebsrat. Die waren immer in die Konzernentscheidungen eingebunden - obwohl Volkswagen kein Mehrheitseigentümer war", sagt Osterloh. "Wir wollten, dass sie wissen, in welche Richtung dieser Konzern unterwegs ist und was wir strategisch wollen. Sie haben immer die Gelegenheit gehabt, mit dem Vorstand darüber zu sprechen."

Die Ausweitung des Europäischen Konzernbetriebsrates birgt allerdings neues Konfliktpotenzial mit dem Porsche -Vorstand. Wiedeking will es in jedem Fall bei der derzeitigen Stärke des Gremiums für die Porsche Holding belassen. Die bündelt die Beteiligungen der Familien Porsche und Piëch. Bei einer Mehrheit an Volkswagen, wird der Wolfsburger Autokonzern Teil der Holding.

Auswirkungen des Scania -Deals auf die VW -Belegschaft sieht Osterloh nicht. "Für die Mitarbeiter bei uns ändert sich nichts. Für die Mitarbeiter bei Scania ändert sich nichts. Im Betriebsrat wird das Thema LKW durch die schwedischen Kollegen eine größere Rolle spielen. Die strategischen Vorgaben, die der Scania -Aufsichtsrat machen wird, werden sicher vom VW -Vorstand beeinflusst."

Der Forderung nach einem Allianzmanager, wie sie etwa Ferdinand Dudenhöffer, Chef des Car-Instituts erhebt, erteilt der Betriebsratschef eine Absage. "Scania ist als Unternehmen gut aufgestellt. Aus der Ferne betrachtet hat das Unternehmen mit Leif Östling einen guten Vorstandsvorsitzenden. Der hat ja das Unternehmen in diese Richtung entwickelt, in der es heute ist. Der Scania -Vorstand wird das Unternehmen sich weiter gut führen."

Osterloh ist überzeugt, dass auch MAN Teil eines LKW-Giganten werden wird. "Wichtig wäre es schon, dass MAN auch dazu gehören würde. Bei den gemeinsamen Stückzahlen gäbe es noch einmal ganz andere Synergieeffekte." Erst einmal gehe es aber darum, die Synergien mit Scania, mit MAN und VW Nutzfahrzeuge in Brasilien zu heben. "Da geht es um größere dreistellige Millionenbeträge, die man einsparen kann."

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