Schlechtes Umfeld
Viele Firmen legen M&A-Pläne auf Eis

Der Markt für Übernahmen und Fusionen ist laut einer Studie nahezu zum Erliegen gekommen. Gründe dafür sind die krisenbedingte Volatilität der Märkte und das Fehlen von geeigneten Übernahmezielen.
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FrankfurtViele Konzernchefs lassen ihre Pläne für Zukäufe und Fusionen (M&A) angesichts der Schuldenkrise erst einmal in der Schublade verschwinden. Wegen der volatilen Aktienmärkte und der Staatsschuldenkrise wollen viele Führungskräfte auch 2012 erst einmal die Füße stillhalten, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Schweizer Großbank UBS und der Unternehmensberatung Boston Consulting (BCG) unter 148 Spitzenmanagern europäischer Konzerne hervorgeht. Demnach planen nur 16 Prozent aller Befragten im nächsten Jahr den Kauf eines Konzerns mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro.

„Die M&A-Aktivitäten im nächsten Jahr hängen in hohem Maße von makroökonomischen Faktoren ab“, sagte BCG-Partner Alexander Roos, der Mitautor der Studie ist. „Wenn die Sorgen anhalten, kann 2012 ein sehr schwieriges Jahr für Fusionen und Übernahmen werden. Sollten die Sorgen verfliegen, kann es ein starkes Jahr werden.“ Die derzeitige Zurückhaltung begründeten die Spitzen-Manager in der Studie auch mit dem Fehlen geeigneter Übernahmeziele und der Schwierigkeit, Unternehmen zu bewerten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach zahlreichen großen Transaktionen wie dem angekündigten Verkauf des US-Geschäfts der Deutschen Telekom an AT&T für 39 Milliarden Dollar Anfang des Jahres ist die Zahl an großen Transaktionen seit dem dritten Quartal eingebrochen. BCG und UBS gehen jedoch davon aus, dass viele Konzernchefs ihre M&A-Pläne wieder aus der Schublade hervorholen, sobald sich das wirtschaftliche Umfeld entspannt. Treiber sein werden aus Sicht der Führungskräfte vor allem die nötige Konsolidierung in vielen langsam wachsenden, renditeschwachen westlichen Märkten sowie die Expansion in Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien.

Anlass zur Hoffung macht laut der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zudem das Geschäft mit dem Mittelstand. „Richtig große Deals sind eher die Ausnahme“, sagte Deutschland-Chef Georg Graf Waldersee in Frankfurt. Dennoch liege der Umsatz in der Transaktionsberatung bei Ernst & Young seit Juli um sieben bis acht Prozent über dem Vorjahr. „Gerade die mittelständische Industrie ist verhalten optimistisch und hat großen Appetit auf Zukäufe. Die Finanzmittel sind jedenfalls da.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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