Industrie

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Schließung Anfang 2015: Opel droht mit früherem Produktionsstopp in Bochum

Opel erhöht vor den Verhandlungen zum Zukunftsplan Druck auf Belegschaft. Aufsichtsratschef Girsky droht in einem Brief damit, das Werk in Bochum schon Anfang 2015 zu schließen. Und Girsky fordert weitere Einsparungen.

Droht dem Opel-Werk in Bochum schon früher das Aus? Quelle: dpa
Droht dem Opel-Werk in Bochum schon früher das Aus? Quelle: dpa

BochumOpel droht mit dem Ende der Fahrzeugproduktion in Bochum bereits Ende 2014. In den Verhandlungen über die Zukunft von Opel in Deutschland müssten Unternehmen und Arbeitnehmer "noch im Februar zu einer Lösung kommen", forderte Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky am Dienstag in einem Schreiben an die Belegschaft. Komme es zu keiner Einigung, werde die Autoproduktion im Werk Bochum schon "zum 1. Januar 2015 komplett eingestellt".

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Opel hatte im Dezember erklärt, die Autoproduktion in Bochum 2016 auslaufen zu lassen. Bedingung für diesen späteren Termin sei jedoch der erfolgreiche Abschluss von Verhandlungen mit der Belegschaft über den "Deutschland-Plan", den Opel im Juni vorbestellt hatte, sagte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim. Der bisherige Standortsicherungsvertrag sieht demnach vor, dass die Produktion in Bochum Ende 2014 ausläuft. Beim Deutschland-Plan handle es sich um einen "Anschlussvertrag". Im Werk Bochum arbeiten 3200 Menschen.

Opel in Bochum

  • 1962

    Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

  • 1967

    Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

  • 1979

    Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

  • 1991

    Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

  • 2004

    Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

  • 2005

    Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

  • 80er und 90er Jahre

    Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

  • 2009

    GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

  • 2011

    Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

  • 2012

    Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

  • 2013

    Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Opel hatte der Belegschaft im Deutschland-Plan in Aussicht gestellt, bis Ende 2016 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zudem will Opel in den kommenden Jahren in einer Offensive zahlreiche neue Modelle auf den Markt bringen. Gleichzeitig strebt der kriselnde Autohersteller an, seine Kosten zu senken und wieder profitabel zu werden. Opel schreibt seit Jahren Verluste. Der Druck der US-Konzernmutter General Motors (GM) ist deswegen hoch.

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Aufsichtsratschef Girsky forderte von der Belegschaft Zugeständnisse. Um wieder zu wachsen und Kosten zu sparen, "müssen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Beitrag leisten", erklärte Girsky in dem Schreiben an die Belegschaft. Gefordert seien "weitere beträchtliche Einsparungen".

So könne das Unternehmen sich "beispielsweise keine Tariferhöhungen leisten", solange es Verluste schreibe, erklärte Girsky. GM sei "bereit, Opel finanziell zu unterstützen, sofern Opel sich in Deutschland so aufstellt, dass wir wieder wettbewerbsfähig und profitabel werden".

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Girsky zeichnete ein düsteres Bild der Ausgangslage für Opel. "Die Situation auf dem gesamten europäischen Markt ist nach wie vor katastrophal; das ist eine schwierige Grundlage für die anstehenden Verhandlungen." In diesem Jahr werde der Markt voraussichtlich weiter schrumpfen und unter das Niveau von 2012 fallen. "Es ist nicht nur unrealistisch, sondern auch illusorisch zu glauben, dass sich der Markt rasch erholt und uns aus dieser Situation hilft."

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"Wir dürfen nun keine Zeit verlieren und müssen die Weichen für eine profitable Zukunft stellen", forderte Girsky. Andere Autohersteller hätten in den vergangenen Wochen und Monaten angekündigt, Stellen zu streichen und Werke zu schließen.

Ford will dieses Jahr seine Fabriken im südenglischen Southampton und in Dagenham bei London schließen und im kommenden Jahr sein Werk im belgischen Genk. Insgesamt streicht Ford in Europa 6200 Stellen, das sind 13 Prozent der Mitarbeiter. In Frankreich will Renault bis Ende 2016 rund 7500 Arbeitsplätze abbauen. Bereits im vergangen Jahr hatte Konkurrent PSA Peugeot Citroën den Abbau von 8000 Stellen in Frankreich angekündigt.

  • 22.01.2013, 21:07 UhrPandora0611

    Und "deine" schreibt man bei persönlichen Ansprachen GROSS!
    Aber "deine" Intelligenz merkt man schon an Text.
    Beati pauperes spiritu, sic eos caelum est.

  • 22.01.2013, 20:42 Uhr@56

    An Pandora,

    Pförtner schreibt man mit "t"
    Aber deine Intelligenz merkt man schon an Text.

  • 22.01.2013, 20:20 UhrPandora0611

    Und tschüß!
    ==========
    Die "überbezahlten" Opelaner, wo schon der Pförner 3.500€/mon erhält, wenn er einmal im Jahr eine Tür aufschließt, und der Bandarbeitet 5.000€/mon, da ist es kein Wunder, daß GM dieses beenden will.
    Einenkel und Franz sehen/sahen das natürlich anders.
    Sie sind Besitzstandswahrer.
    Aber wer braucht schon Opel? Es gibt genügend Marken auf der Welt.
    Wenn Opel verschwindet merkt das keiner.
    Opel? War da was?

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